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Heiß geliebtes und umstrittenes Sternchen

Heiß geliebtes und umstrittenes Sternchen

Wer kennt es nicht, das kleine typografische Zeichen in Form eines Sterns mit den vielen Namen und Anwendungsmöglichkeiten? Das auch als Asteriskus oder Asterisk bezeichnete Sternchen wird zum Beispiel als Fußnotenzeichen* im Text verwendet, um auf zusätzliche Anmerkungen, Ergänzungen oder Quellenangaben am Textende bzw. im unteren Teil einer Seite aufmerksam zu machen. Der Stern als genealogisches Zeichen für den Geburtstag einer Person (*07.12.1982) hat sich seit langem eingebürgert und das Sternchen als Hinweis auf ein Pflichtfeld in einem Formular ist uns allen bestens bekannt.

Auch die drei nacheinander folgenden Sternchen nach einem oder mehreren Anfangsbuchstaben kennt jeder. F*** oder Sch*** lassen wenig Raum für Interpretationen. Man weiß, welche Wörter gemeint sind, ohne sie der guten Erziehung wegen ausschreiben zu müssen. Und für Smileys sind Sternchen geradezu unabdingbar <(*o*)>

Als Klar-Stern auf Rechenmaschinen, als Sondertaste auf dem Telefon, als Platzhalter bei der Eingabe von Passwörtern, als Kleene-Stern in der Mathematik, in Kommunikationstechnik, Datenverarbeitung, Informatik, Linguistik, Chemie, in zahlreichen Varianten von fettem Sternchen über Sternchen vollbreit bis hin zum tiefgestellten Sternchen in der Zeichencodierung*¹… Sternchen, Sternchen, Sternchen, wohin man auch blickt!

Vor einigen Tagen nun wurden dem Asterisk als sogenanntem Gendersternchen neue Ehren zuteil. Bei der  Wahl des Anglizismus des Jahres entschied sich die Berliner Jury, bestehend aus mehreren Sprachwissenschaftlern, für das Wort Gendersternchen. Nicht zuletzt, weil es ein hervorragendes Beispiel dafür ist, mit welcher Leichtigkeit wir Deutschen Wörter aus der englischen Sprache übernehmen und eindeutschen. Aus dem englischen Wort gender (Geschlecht) entstand so das deutsche Verb gendern, also die Gleichstellung von Frau und Mann verwirklichen, und auch das Gendersternchen. Es steht zwischen Wortstamm und den weiblichen Nachsilben -in bzw. -innen und auf diese Art sollen alle Geschlechter zugleich angesprochen werden. Mit „Liebe Kund*innen“ sind also einfach Kunden jedes Geschlechts gemeint. Alle werden angesprochen und niemand wird ausgeschlossen.

Bei einem so heiß umstrittenen Thema wie die sprachliche Gleichbehandlung aller Geschlechter wäre das Gendersternchen sicher eine optimale Lösung. Es ist unkompliziert, benutzerfreundlich und gleichzeitig optisch attraktiv. Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat sich zwar noch nicht dazu durchringen können, das Gendersternchen offiziell zu empfehlen, aber da seine Beliebtheit ständig steigt, wird der Aufnahme des Gendersternchens in die amtliche deutsche Rechtschreibung wohl bald nichts mehr im Wege stehen. Bis dahin, liebe Leser*innen, müssen wir uns eben gedulden.

* Mit Fußnotenzeichen lassen sich zusätzliche Informationen aus einem Text praktisch auslagern. Der Text ist so flüssiger und damit leichter zu lesen. Vorteile ergeben sich auch für die optische Gestaltung einer Seite, denn der Haupttext ist kürzer und die Seite ist aufgelockerter.

*¹ Die Angabe zu Anwendungsmöglichkeiten ist nicht vollständig.

Ina Kropeit

Written by vendor