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Haarsträubend schön – Redewendungen 3

Haarsträubend schön – Redewendungen 3

Vor einiger Zeit las ich in einem Zeitungsartikel über die erstaunliche Kreativität, die Friseure entwickeln, wenn es darum geht, ihrem Geschäft einen Namen zu geben. Bei einer Vielzahl der Namen von Friseurläden handelt es sich um Wortspiele, Anspielungen oder Doppeldeutigkeiten, Denglisch-Wortmix, originelle Neuschöpfungen oder extra schräge Kreationen, die oft so gut (oder auch so schlecht) sind, dass sie dem Leser einfach im Gedächtnis bleiben müssen. Namen wie „Haar-a-kiri“, „Haar 2 O“, „Wundhairschön“ oder „pony & clyde“ vergisst man so schnell nicht wieder, weil sie uns vielleicht überraschen, einen Aha-Effekt auslösen und, ganz wichtig, auch zum Schmunzeln bringen. Wenn das passiert, ist ein Ziel der Namensgebung schon mal erreicht. Stichwort Alleinstellungsmerkmal. Ein Geschäfts- oder Firmenname sollte so beschaffen sein, dass er sich von der Masse der Mitbewerber abhebt und potenziellen Kunden in Erinnerung bleibt.

Die Frage jedoch, warum nun gerade Friseure so ausgesprochen kreativ bei der Namensgebung sind, wurde in dem Artikel leider nicht beantwortet. Bei einer Werbeagentur zum Beispiel oder anderen kreativ Tätigen erwartet man ja eigentlich schon, dass der Geschäftsname besonders eingängig, unverbraucht und prägnant ist. Vielleicht ist „Sabines Friseursalon“ oder „Ihr Frisierstübchen“ auf Dauer eben doch etwas langweilig geworden und so machen Hairstylisten, oder auch Haarkünstler, in Deutschland ihrer Berufsbezeichnung alle Ehre, nicht nur mit Haar, sondern auch mit kreativer Namensschöpfung.

Abgesehen davon, dass wir selbst unserem natürlichen Kopfschmuck viel Aufmerksamkeit und Pflege widmen, ist es vielleicht aber einfach auch nur so, dass Haar im Allgemeinen äußerst inspirierend wirkt. Auch in unserer Sprache gibt es viel Haariges in Form von Redewendungen und Sprichwörtern. „Das ist eine haarige Angelegenheit“ sagt man zum Beispiel, wenn man etwas für sehr bedenklich oder riskant befindet. Vielleicht, weil man ein Misslingen, das „zum Haare Ausraufen“ wäre, manchmal nur „um ein Haar“ oder „um Haaresbreite“ verhindern kann.

Um möglichst „keine Haare lassen zu müssen“, sollte man Leute meiden, die „haarspalterisch“ immer alles bis ins allerletzte Detail klären wollen. Darüber sollte man sich auch „keine grauen Haare wachsen lassen“, denn sie tun das eigentlich oft nur, weil sie unbedingt Recht behalten wollen. Und ganz egal, wie die Geschichte am Ende ausgeht, meistens „lassen sie kein gutes Haar an anderen“. Bei so viel Nächstenliebe “stehen einem die Haare zu Berge”.

Das Sprichwort „Lange Haare, kurzer Verstand.“ ist ein „alter Zopf“, der längst schon abgeschnitten gehört. Wer es dennoch weiterhin benutzt, gehört zu den Zeitgenossen, auf die dann folgendes Sprichwort zutrifft: „Keine Haare auf dem Kopf, aber einen Kamm in der Tasche.“

Wenn „einem jemand die Haare vom Kopf frisst“, ist es an der Zeit, mit dieser Person über eine Kostenbeteiligung für die Verpflegung im gemeinsamen Haushalt zu sprechen. Probleme kann man sicherlich in den meisten Fällen lösen, ohne sich dabei „in die Haare zu kriegen“ oder etwas „an den Haaren herbeizuziehen“, also da Schwierigkeiten zu suchen, wo eigentlich gar keine sind. Was nicht immer einfach ist, denn bekanntlich gibt es nicht wenige Leute, die „in jeder Suppe ein Haar finden“ oder „Haare auf den Zähnen haben“. So etwas geht mir ganz fürchterlich “gegen den Strich”. Aber es gibt ja auch noch Menschen, die wirklich  „niemandem ein Haar krümmen können“. Und die liebe ich so richtig, „mit Haut und Haar“.

Ina Kropeit

 

Written by vendor