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Vorsicht, reißende Hunde!

Vorsicht, reißende Hunde!

Um es gleich vorwegzunehmen, den Hund trifft keine Schuld. Ihm zu unterstellen, dass er ein reißendes Tier sei, war die Idee des Übersetzers. Zu seinen Gunsten könnte man ja annehmen, dass dieser nur auf der Tastatur abgerutscht ist und statt des s das ß erwischt hat, aber die reißenden Hunde sind nur das Sahnehäubchen des gesamten Textes. Von den insgesamt 12 Textblöcken sind alle 12 fehlerhaft, zum Teil schlecht übersetzt, Fehler in Grammatik, Rechtschreibung, Zeichensetzung…

Diesen Text lesen Millionen Menschen im Jahr, denn er erscheint auf einem Plakat an jeder Bushaltestelle eines Unternehmens des öffentlichen Nahverkehrs in einer Großstadt. Aufgrund der Qualität der Übersetzung ist zu vermuten, dass man hier wohl aus Kostengründen den Bruder vom Cousin des Pförtners den Text übersetzen lassen hat. Das kommt Ihnen bekannt vor, ja? Also, nichts gegen Cousins oder Brüder oder gar gegen Pförtner! Aber so, wie man bei einem Wasserrohrbruch zu Hause vielleicht besser doch einen richtigen Klempner kommen lassen sollte, wäre es auch angebracht, für eine Übersetzung einen Fachmann hinzuzuziehen. Das alte Sprichwort „Billig gekauft ist meist teuer gekauft“ bewahrheitet sich immer wieder und auch ein Imageschaden kommt am Ende teuer zu stehen, gerade dann, wenn man eigentlich sparen will (oder muss).

 Am falschen Ende gespart hat man auch bei dem nächsten Beispiel, einer wunderschön aufgemachten und benutzerfreundlich strukturierten Webseite für ein Hotel mit ansprechenden Fotos, die ohne jeden Zweifel von einem Profi stammen, und einem edlen Design, zu dem man den sicher ebenfalls professionellen Webdesignern nur gratulieren kann. Und dann steht da groß und fett oben auf der ersten Seite: „Wir machen sie zu Hause fühlen“…

Hier war nicht der Bruder des Cousins des Pförtners am Werk, hier hat man schlicht und einfach den Google Translator bemüht. Das ist noch billiger und das Ergebnis eben auch. Immerhin wird der deutschsprachige Leser im weiteren Verlauf der Seite mit idiomatischen Leckerbissen vom Allerfeinsten belohnt. Ob das allerdings der Reputation des Hotels zuträglich ist, wage ich mal zu bezweifeln.

Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber wenn ich so etwas wie diese beiden Beispiele für Sparwut sehe, tut mir immer das Geld leid, auch wenn es gar nicht meins ist. Mir tut das Geld leid, das man wahrscheinlich, ohne mit der Wimper zu zucken, für ein qualitativ hochwertiges Design ausgegeben hat, um dann mit einer fehlerhaften Übersetzung, weil man das Geld für einen professionellen Übersetzer sparen wollte, alles wieder kaputtzumachen. Schade drum.

Ina Kropeit

Written by editor