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Für ein paar Likes…

Für ein paar Likes…

Unter dem Wort „Hilfsbereitschaft“ findet man in der Enzyklopädie der Wertvorstellungen folgende Definition: „Hilfsbereitschaft ist ein Zusammenwirken zwischen Menschen, die auf gegenseitiger Bereitschaft zu helfen, beruht. Ist jemand hilfsbereit, heißt das, dass er sich dazu entscheidet, einer anderen Person zu helfen, ohne dass diese ihn zwangsläufig darum bittet oder mit einer Gegenleistung dienen wird. Diese Eigenschaft haben meist selbstlose Menschen, denen das Wohl anderer mehr am Herzen liegt, als das eigene, da Hilfsbereitschaft in unterschätzten Situationen zu einer Gefahr für den Hilfsbereiten werden kann. Die Bereitschaft zu unterstützen und Hilfe zu leisten, liegt in der Natur eines gesunden Menschen…“

Unmittelbar nach der verheerenden Überschwemmungskatastrophe, die letzte Woche den kleinen Ort Sant Llorenç de Cardassar im Nordosten der Insel Mallorca traf, kamen Menschen aus allen Teilen der Insel, Privatpersonen und auch Unternehmen, um zu helfen. Sie schippten gemeinsam mit den Leuten aus Sant Llorenç das Wasser aus den überfluteten Häusern, brachten Lebensmittel,  Notstromaggregate und trockene Kleidung und Decken. Sie halfen bei der Suche nach vermissten Personen und dabei, den Kontakt zwischen Betroffenen und Angehörigen aufrechtzuerhalten. Sie stellten eigene Fahrzeuge oder Unterkunft in ihren eigenen Wohnungen, Häusern und Hotels zur Verfügung… Kurz, diese Helfer versuchten zu retten, was noch zu retten war und sie gaben und geben den Opfern der Katastrophe das Gefühl, nicht allein zu sein. Nicht allein zu sein bei dieser Tragödie, die 12 Todesopfer forderte und bei der man immer noch nach dem achtjährigen Artur sucht, der von den Wassermassen weggerissen wurde.

In einer Zeit, in der es mitunter scheint, dass jeder nur noch an sich selbst denkt und auf sein eigenes Wohl bedacht ist, tut es gut zu sehen, dass es noch so viele Menschen gibt, für die Hilfsbereitschaft nicht nur eine leere Worthülse ist, sondern tatsächlich ein Wert, der mit Leben erfüllt wird. Für mich persönlich sind diese Personen Helden.

Umso unverständlicher ist es für mich dann, wenn man zum Beispiel im Facebook Posts von Leuten sieht, die eigens nur nach Sant Llorenç gefahren sind, um „coole“ Videos und Fotos von der Katastrophe zu bekommen. Abgesehen davon, dass sie für ein paar Likes in den sozialen Medien die ohnehin schon schweren Bergungs- und Aufräumarbeiten behindert und durch ihre Anwesenheit völlig unnötigerweise den Einsatztruppen noch mehr Arbeit verschafft haben, leisteten sie keinerlei Hilfe. Und noch unverständlicher wird es für mich, wenn solche „Katastrophen-Paparazzi“, nachdem man sie aus der gefährdeten Zone weggeschickt hat, im Facebook dann noch einen Shitstorm gegen die Einsatzkräfte lostreten, so in der Art „Ich wollte ja helfen, aber sie lassen mich nicht…“. Im Ernst? Mit Hilfsbereitschaft hat das nichts zu tun, das ist ein Ego-Trip in Reinkultur.

 

Ina Kropeit

Written by vendor