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Wo die Hexen tanzen

Wo die Hexen tanzen

Berlin, Hamburg, München… wer Deutschland besuchen will, denkt oft zuerst an die großen Metropolen. Dabei gibt es überall in Deutschland weitab von den Großstädten, die Jahr für Jahr Anziehungspunkt für Millionen von Touristen sind, wunderschöne, kleine und beschauliche Orte inmitten herrlicher Landschaften.

Eine besonders reizvolles und sagenumwobenes Reiseziel ist der Harz. Bis ins Mittelalter “Bergwald” genannt, ist das Mittelgebirge in Deutschland mit seinen dichten Buchen- und Fichtenwäldern, Bergen und Tälern, Flüssen, Bächen und Mooren das reinste Paradies für Wanderfreunde und Naturliebhaber. Atemberaubende Ausblicke auf das umliegende Land und einzigartige Fotomotive belohnen den Aufstieg auf die Berge. Und gerade jetzt im Herbst bietet sich dem Besucher beim Durchstreifen der Wälder und Auen ein traumhaft schönes Naturschauspiel mit dem Laub der Bäume in allen herbstlichen Farbtönen zwischen Ocker, Rost und Gold.

Diese landschaftliche Schönheit und Vielfalt macht den Harz zu einem idealen Ort für Aktivurlaub, nicht nur für Wanderer. Die Hohneklippe im Okertal und der Feuerstein bei Schierke sind bei Kletterern sehr beliebt. Kanufahren im Wildwasser ist auf einigen Flüssen möglich und Mountainbiker kommen auf gut ausgeschilderten Mountainbike-Strecken und in Bikeparks mit Liftbetrieb und Freeride-, Downhill- und Fourcross-Strecken voll auf ihre Kosten. Einige Berge bieten auch optimale Bedingungen für das Segel- und Drachenfliegen, wie z.B. der Rammelsberg bei Goslar. Und im Winter gibt es natürlich reichlich Angebote für Skifreunde.

Viele Sagen von Hexen, Zwergen und Riesen ranken sich um den Harz, aber die wohl bekannteste ist sicherlich die “Sprungsage”. Es wird erzählt, dass in grauen Vorzeiten, als der Harz noch von Riesen bevölkert war, hier die Königstochter Brunhilde lebte. Der Riese Bodo hatte sich unsterblich in sie verliebt, aber Brunhilde wollte nichts von ihm wissen. Bodo suchte und verfolgte sie, wo er sie nur fand, um sie gegen ihren Willen zu heiraten. Eines Tages sah Bodo Brunhilde auf ihrem Ross und er preschte ihr hinterher, bis Brunhildes Pferd auf einen Berg lief, wo sich ein tiefer Abgrund vor ihnen auftat. Verzweifelt gab Brunhilde ihrem Pferd die Sporen, um mit einem Sprung über den gewaltigen Abgrund ihrem Verfolger zu entkommen. Und sie schaffte es. Ihr Pferd setzte mit einem Sprung über den Abgrund hinweg und landete auf den Felsen der anderen Seite. Der Abdruck eines Pferdehufes ist heute noch zu sehen und gab dem Berg seinen Namen – Rosstrappe. Bodo schaffte den Sprung zum anderen Felsen nicht. Er stürzte mit seinem Pferd in den reißenden Fluss im Tal und verwandelte sich in einen Hund, der Brunhildes Krone, die beim Sprung ins Wasser fiel, bis heute bewachen muss. Und der Fluss Bode wurde nach dem Riesen Bodo benannt.

Die Rosstrappe erhebt sich hoch über das Tal der Bode im Harz. Man kann sie von Thale, Treseburg oder Wienrode aus zu Fuß oder von Thale aus auch mit der Schwebebahn erreichen. Oben auf dem Felsen steht das Berghotel Rosstrappe mit einer Aussichtsterrasse. Von hier aus hat man einen atemberaubenden Blick auf das Bodetal, ins Harzvorland, auf die Stadt Thale und auf den Brocken, den höchsten Berg im Harz (1141 m), auf dem sich der berühmte Hexentanzplatz befindet. Aber das ist schon wieder eine andere Sage…

Wer’s nicht ganz so mystisch mag, findet sicher Gefallen an einem der unzähligen kleineren und größeren Orte im Harzland, die alle eine Reise wert sind. Eine ganz besonders reizvolle Stadt ist Quedlinburg an der Bode. In der historischen Altstadt mit den kopfsteingepflasterten Straßen, verwinkelten Gassen und lauschigen Plätzen befinden sich gut 2000 Fachwerkhäuser aus acht Jahrhunderten und man fühlt sich hier wirklich wie in alte Zeiten zurückversetzt. Das Renaissance-Rathaus mit der Roland-Statue, der Münzenberg mit der Klosterkirche St. Marien und der Abteigarten an der romanischen Kirche St. Wiperti u.a. gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Zahlreiche Geschäfte und Straßencafés laden zum Stöbern und Verweilen ein. Und auch Galerien und Museen gibt es reichlich. Besonders ans Herz legen möchte ich einen Besuch in der Lyonel Feininger-Galerie, in der man Werke des New Yorker Bauhaus-Künstlers (1871-1956) bewundern kann. Die Sammlung, eine der umfangreichsten, geschlossenen Bestände von Graphiken, Radierungen, Lithographien und Holzschnitten des Künstlers, wurde von einem Mitschüler des Bauhauses vor der Vernichtung durch die Nationalsozialisten bewahrt und dokumentiert die Schaffensperiode Lyonel Feiningers von 1906 bis 1937.

Das ganze Jahr über hat Quedlinburg ein interessantes und vielfältiges Veranstaltungsprogramm für Einheimische und Besucher zu bieten. Vielleicht sei zum Abschluss noch ein ganz besonderes Ereignis zur Weihnachtszeit empfohlen. Traditionell am zweiten und am dritten Adventswochenende werden die sonst geschlossenen Höfe für das Publikum geöffnet und viele Besucher nutzen „Advent in den Höfen“ zum Bummeln, zum Kaufen der Weihnachtsgeschenke, Glühwein trinken…

Ina Kropeit

Written by editor