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Kein Blatt vorm Mund

Kein Blatt vorm Mund

Redewendungen Teil 2

 

Redewendungen und Sprichwörter sind fester Bestandteil unserer Sprache und auch, wenn sie in der Schule normalerweise nicht als Thema an sich auf dem Lehrplan stehen, sind sie jedem Muttersprachler vertraut. Man wächst mit ihnen auf, man hört sie und man benutzt sie fast intuitiv, ohne darüber nachdenken zu müssen, warum sie genau für einen konkreten Sachverhalt passend sind. Lernt man dagegen eine fremde Sprache, bleibt einem nichts anderes übrig als Redewendungen und Sprichwörter zu “studieren”, um sie im richtigen Zusammenhang verwenden zu können.

Sprichwörter sind tief mit der Geschichte und Kultur eines Landes und seiner Sprache verwurzelt. Sie spiegeln zumeist verallgemeinerte Lebenserfahrungen wider und wurden als Weisheiten aus dem Volk von Generation zu Generation weitergegeben, ohne dass eine konkrete Autorenschaft nachweisbar wäre. Bei Redewendungen, im Duden als „feste Verbindung von Wörtern, die zusammen eine bestimmte, meist bildliche Bedeutung haben“ definiert, besteht oft eine sowohl wörtliche wie auch übertragene Bedeutung, was ihr Verstehen für einen Nicht-Muttersprachler so schwer macht. „Das ist kalter Kaffee.“ kann eben bedeuten, dass da wirklich eine Tasse kalt gewordenen Kaffees auf dem Tisch steht oder auch, dass man etwas als veraltet, überflüssig, nicht mehr relevant oder auch nicht mehr zeitgemäß erachtet.

Aber ganz gleich, ob Sprichwort oder Redewendung, beide bereichern unsere Sprache ungemein und vor allem Redewendungen bestechen durch ihre Bildhaftigkeit, Spritzigkeit und Vielfalt. Wir verwenden sie, um das, was uns am Herzen liegt (was uns wichtig ist), auf anschauliche, originelle und emotional gefärbte Art auszudrücken. Man muss schon Tomaten auf den Augen haben (blind sein), wenn man nicht sieht, wie vielfältig und sogar hilfreich Redewendungen sind. Denn manchmal ist es eben nicht Katz wie Miez (es ist nicht egal), wie man etwas sagt. Damit sich der andere nicht auf den Schlips getreten fühlt (sich angegriffen fühlt), um jemandem Honig ums Maul zu schmieren (jemanden, oft aus Berechnung, übermäßig loben) oder auch, um etwas durch die Blume zu sagen (etwas auf indirekte Art sagen), greift man oft auf Redewendungen zurück.

Mit der richtigen Redewendung im richtigen Moment kann man einen Gesprächspartner zum Lachen oder auch auf die Palme bringen (jemanden wütend machen). Man kann Öl ins Feuer gießen (eine Situation zum Eskalieren bringen) oder Wellen glätten (eine Situation beruhigen). Man kann wie eine Katze um den heißen Brei herumschleichen (sich einer Situation vorsichtig nähern) oder mit der Tür ins Haus fallen (auf dem kürzesten Weg zum eigentlichen Anliegen kommen).

Und wenn beide Gesprächspartner keine lange Leitung (jemand braucht sehr lang, bis er etwas versteht) oder ein Brett vor dem Kopf (jemand weigert sich, etwas verstehen zu wollen) haben und auch nicht immer die erste Geige spielen (ständig der Mittelpunkt des Geschehens sein) wollen, sondern kein Blatt vor den Mund nehmen (offen und ehrlich über alles sprechen), dann können Gespräche zum reinsten Vergnügen werden, zu Ergebnissen für alle Beteiligten führen und alles ist in Butter (alles ist in Ordnung).

Nur, wortwörtlich nehmen oder wortwörtlich übersetzen sollte man Redewendungen niemals. Das kann einen in Teufels Küche bringen (in Bedrängnis bringen).

 

Autorin: Ina Kropeit

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