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Du oder Sie?

Du oder Sie?

„Hast du nicht den Urlaub, den du verdienst? Buchen Sie jetzt und genießen Sie XXX mit bis zu 25% Rabatt. XXX wartet auf dich! Verliere diese Gelegenheit nicht!“ So lautet die Werbeanzeige eines Reiseanbieters bei Facebook. Sie erscheint mehrsprachig, was sicher eine sehr gute Idee ist, aber mal abgesehen davon, dass die deutsche Version dieser Anzeige eine grottenschlechte Übersetzung ist, enthält sie einen Fauxpas, der einem die Haare zu Berge stehen lässt.

Im deutschen Sprachraum ist es ganz und gar nicht egal, ob man sich duzt oder siezt, und beides gleichzeitig geht schon mal überhaupt nicht. Im Allgemeinen gilt, dass man ältere Menschen, Vorgesetzte oder Autoritätspersonen jeder Art und sowieso alle erwachsenen Personen, mit denen man nicht persönlich bekannt ist, höflicherweise mit Sie anspricht. Jungen Menschen kann es durchaus wichtig sein, wenn sie vom du zum Sie “befördert” werden, weil es das Zeichen ist, dass sie jetzt zum Kreis der Erwachsenen gehören. Und ein angebotenes du ist normalerweise als Kompliment zu verstehen, da es der anderen Person wichtig ist, uns gegenüber auf das förmliche Sie zu verzichten.

Keinem Deutschen käme es dagegen unter normalen Umständen in den Sinn, eine ihm fremde erwachsene Person einfach so zu duzen. Das Sie in der Anrede steht also für höfliche Achtung dem anderen gegenüber, gibt uns aber gleichzeitig auch die Möglichkeit, uns von Leuten zu distanzieren, die uns vielleicht unsympathisch sind, mit denen wir nicht per du sein wollen. Voraussetzung für das du ist ja eigentlich, dass man sich gut kennt und vertraut miteinander ist, wobei letzteres bei gegenseitigen Animositäten eher nicht der Fall sein dürfte. Daraus lässt sich wiederum aber auch nicht schließen, dass sich alle Leute, die miteinander bekannt und trotzdem per Sie sind, spinnefeind sein müssen. Am Arbeitsplatz zum Beispiel gehört in vielen Unternehmen das Sie zum guten Umgangston.

Wird man allerdings konsequent geduzt, obwohl man den anderen mit Sie anspricht, läuft irgendetwas schief. Wenn eine Person, mit der man per du ist, völlig unvermittelt von du auf Sie wechselt, sollten ebenfalls die Alarmglocken schrillen und selbstverständlich kann man ein angebotenes du auch höflich ablehnen, wenn man lieber auf Abstand zu der anderen Person bleiben möchte…

Du oder Sie? Die Frage ist so einfach nicht zu entscheiden, gerade weil sie so vielschichtig und komplex ist und in jedem Fall immer von der jeweiligen Situation und den Beteiligten abhängt. Aus diesem Grund ist es auch unbedingt erforderlich, sich bei Übersetzungen, bei denen diese Entscheidung getroffen werden muss, vorher mit dem Auftraggeber abzusprechen. Auf Unternehmenswebseiten, in Newslettern und allgemein in Werbetexten werden Kunden und Gäste üblicherweise mit Sie angesprochen. Dagegen setzt man bei Posts in den sozialen Netzwerken oder in Blogs häufiger auf das du, um so mehr Nähe und Verbundenheit zu den Lesern zu erreichen. Geduzt wird auch bei Präsentationen von Produkten oder Serviceleistungen, die sich speziell an ein überwiegend junges Publikum richten. In jedem Fall liegt die Entscheidung beim Auftraggeber und niemals sollten du und Sie innerhalb eines Textes wie im Beispiel der eingangs zitierten Werbeanzeige gleichzeitig verwendet werden.

Autorin: Ina Kropeit

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