twitterfacebookgooglexinglinkedin

Nicht machen müssen, sondern machen wollen

Nicht machen müssen, sondern machen wollen

In einer deutschen Zeitschrift las ich letztens, dass „Urlaub auf Balkonien“ in diesem Sommer bei der Urlaubsplanung voll im Trend liege. Als Gründe dafür wurden in dem Beitrag finanzielle Erwägungen, die Sorge um unsere Umwelt, Angst vor überlaufenen Urlaubsorten und auch Bedenken aufgrund der geopolitischen Lage in bestimmten Urlaubsgebieten angeführt. Ganz sicher spielen auch die gegenwärtigen Unwägbarkeiten im Flugverkehr eine Rolle. Niemand hat Lust, seine kostbare Urlaubszeit bei der Suche nach einer Alternative zu stornierten Flügen oder schlimmstenfalls in einer Warteschlange am Flughafen zu verbringen.

Für jemanden, der von Fernweh geplagt ist und sich schon Monate vorher darauf freut, endlich den Koffer für die nächste Reise zu packen, ist die Vorstellung von Urlaub zu Hause allerdings wohl eher ein Albtraum. Die eigenen vier Wände sieht man schließlich das ganze Jahr über und die Gefahr besteht, dass man am Ende, anstatt sich zu erholen, irgendwelche zu Hause längst fälligen Dinge erledigt, die man bisher mit Erfolg immer wieder aufgeschoben hat. Und was bitte hat das mit Urlaub zu tun?

So ganz von der Hand zu weisen sind die Argumente derer, die ihrerseits für Urlaub zu Hause plädieren, aber auch nicht. Zu Hause kann man tun und lassen, was man will. Keinerlei Vorgaben, keine zeitlich festgelegten Mahlzeiten, keine „bösen Überraschungen“ aufgrund von Baulärm im Hotel, unfreundlichem Servicepersonal oder versprochenem, aber nicht vorhandenem Meerblick. Man wacht am Morgen auf und entscheidet spontan, wie man den Tag verbringen will, ausgiebig und in aller Ruhe frühstücken, vielleicht einen kleinen Tagesausflug in die nähere Umgebung, ein Mittagsschläfchen auf dem Balkon, sich mit Freunden zu einem Grillabend treffen…

Die Seele baumeln lassen, Zeit für sich selbst finden, einfach tief durchatmen und den Alltag draußen lassen… Das ist das, was wohl die meisten Leute antworten, wenn man sie danach fragt, was Urlaub für sie bedeutet. Und dabei kommt es vielleicht gar nicht so sehr darauf an, ob man sich aufmacht, um die große, weite Welt zu entdecken oder ob man es es sich ganz einfach zu Hause gemütlich macht. Wichtig für die kleine Auszeit im Jahr ist eigentlich nur, dass man nicht das macht, was man immer macht.

Unsere tagtägliche Routine mit Arbeit, Familie und Haushalt fordert uns das ganze Jahr über zu Höchstleistungen heraus. Termine, Stress, Hektik, Eile – all das sollte man in den schönsten Wochen des Jahres unbedingt vermeiden. Nicht etwas machen müssen, sondern etwas wirklich gern machen wollen. Vielleicht besteht genau darin die Zauberformel für Erholung pur. Die jedenfalls wünsche ich allen Lesern, ganz gleich, wo und wie sie ihren Urlaub in diesem Sommer verbringen.

Autorin: Ina Kropeit

Written by vendor