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Von Thermometern mit Füßen und Hotels, die ihre Gäste begrüßen

Von Thermometern mit Füßen und Hotels, die ihre Gäste begrüßen

„Steigt das Thermometer in schwindelerregende Höhen, habe ich eigentlich keine Lust, das Haus zu verlassen.“  (persönlicher Blog im Internet)

„Die vorliegende Studie untersucht den Zusammenhang von professioneller Identität und Patientenorientierung.“  (Präsentation)

„Unser Hotel empfängt Sie mit offenen Armen.“  (Werbeanzeige)

„Vermutlich aufgrund von gesundheitlichen Problemen krachten die beiden Autos frontal zusammen.“  (Lokalzeitung)

Vier verschiedene Textstellen von vier verschiedenen Fundorten, die alle vier etwas gemeinsam haben… Richtig! Die inhaltliche Übereinstimmung zwischen Subjekt und Verb oder beim dritten Beispiel zwischen Subjekt und Kausalangabe ist nicht gegeben. Ein Fehler, der aufgrund dessen, dass man ihn recht häufig zu sehen bekommt, trotzdem ein Fehler bleibt.

Nicht das Thermometer steigt, sondern die Temperaturen. Eine Studie kann nichts untersuchen, das tun Menschen im Rahmen einer Studie. Nicht das Hotel, sondern Angestellte des Hotels empfangen die Gäste und Autos können auch keine gesundheitlichen Probleme haben. Es sei dahingestellt, ob Zeitmangel oder Unachtsamkeit die Gründe für diese Art von Fehlern sind. Sie bringen vielleicht den Leser zum Lachen, aber wenn nicht genau das unsere Absicht ist, sollte man sie auf jeden Fall vermeiden.

Im ersten Fall: „Steigen die Temperaturen in schwindelerregende Höhen,…“ Stilistisch gesehen ist dieser Ausdruck Geschmackssache, aber zumindest verschwindet beim Lesen das Bild eines Thermometers mit Füßen aus unserem Kopf.

Beim zweiten und beim dritten Beispiel bietet sich der Gebrauch des Passivs direkt an. Eine Passivkonstruktion ist fast immer die einfachste und eleganteste Lösung, wenn der Urheber der Handlung nicht bekannt ist, nicht erwähnt werden soll, oder wir ihn nicht wiederholen wollen, weil wir ihn in den vorangegangenen Sätzen schon mehrfach genannt haben. „In der vorliegenden Studie wird (von Wissenschaftlern, Ärzten, Fachleuten…) der Zusammenhang von professioneller Identität und Patientenorientierung untersucht.“ bzw. „In unserem Hotel werden Sie (von uns) mit offenen Armen empfangen.“

Wenn wir beim vierten Beispiel im kompakten Nachrichtenstil bleiben wollen, wäre eine Möglichkeit: „Vermutlich aufgrund gesundheitlicher Probleme eines der beiden Fahrer krachten deren Autos frontal zusammen.“ oder „Es kam zu einem Frontalzusammenstoß der beiden Autos, da einer der beiden Fahrer vermutlich gesundheitliche Probleme hatte.“ oder „Der Grund für den Frontalzusammenstoß der Autos ist vermutlich auf gesundheitliche Probleme eines der beiden Fahrer zurückzuführen.“ oder…

Unsere Sprache ist so reich an Möglichkeiten, etwas exakt, korrekt und gleichzeitig schön auszudrücken. Man muss sich nur die Zeit nehmen, um die für den jeweiligen Anlass beste und geeignetste Formulierung zu finden. Das sollte übrigens nicht nur beim Schreiben, sondern auch beim Übersetzen gelten.

Autorin: Ina Kropeit

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