twitterfacebookgooglexinglinkedin

Kleiner Ausflug in die Welt der Redewendungen

Kleiner Ausflug in die Welt der Redewendungen

Für Muttersprachler sind Redewendungen überhaupt kein Problem, man benutzt sie einfach, ohne groß nachdenken zu müssen und jeder weiß, was gemeint ist. Aber für jemanden, der eine Fremdsprache lernt, sind Redewendungen oft böhmische Dörfer. Bitte, was? Was ist das denn?

 

Und nun hat man eben als Nicht-Muttersprachler die Qual der Wahl, es ist nicht leicht, sich zu entscheiden. Entweder kann man die Sache unter den Teppich kehren, ihr keine Bedeutung beimessen und so tun, als wäre nichts passiert. Oder man kann sich die Nacht um die Ohren schlagen und eben die ganze Nacht damit verbringen herauszufinden, was böhmische Dörfer sind.

Und wenn man keine Antwort findet, sollte man sich das nicht zu Herzen nehmen, traurig sein, sondern man sollte sich stattdessen ein Herz fassen, mutig sein, und jemanden fragen.

Wenn man Pech hat, trifft man dabei eine Person, die um den heißen Brei herumredet, also lang und breit Erklärungen abgibt, aber eigentlich nichts Konkretes sagt, oder eine, die einfach nur ihren Senf dazugeben will, unbedingt überall mitreden will, aber von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, nicht mit dem Thema vertraut ist. Dann sollte man nicht die Flinte ins Korn werfen, also aufgeben, sondern einfach jemand anderen fragen. Und wenn einen das Glück nicht im Stich lässt, also, wenn man Glück hat, findet man jemanden, der erklärt, was es mit diesen komischen Dörfern denn nun auf sich hat…

 

Genau, “böhmische Dörfer” sind ein Sammelbegriff für alles, was uns so fremd, unbekannt oder unwahrscheinlich vorkommt, dass wir es auf den ersten Blick einfach nicht verstehen können. Mitunter verwendet man in dieser Situation auch die Redewendung „Das kommt mir spanisch vor!” Das finden meine spanischen Schüler wiederum lustig, denn sie sagen bei dieser Gelegenheit „¡Esto me suena a chino!“

 

Redewendungen gibt es wie Sand am Meer (Das war jetzt die letzte, versprochen!). Sie bereichern unsere Sprache und geben uns die Möglichkeit, etwas auf eine anschauliche, originelle und auch emotional gefärbte Art auszudrücken. Der Leser unserer Texte kann sich so im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild machen und ein Gefühl des Vertrautseins stellt sich ein.

Man sollte Redewendungen allerdings sparsam (natürlich niemals in so komprimierter Form wie in meinem Beispieltext) und gezielt anwenden, damit sie ihren Zweck erfüllen können, und sie der Art des Textes und dem Zielpublikum entsprechend sorgfältig auswählen.

Etwas komplizierter ist es beim Übersetzen von Texten. Wenn man Redewendungen wortwörtlich übersetzt, geht das in den meisten Fällen in die Hose (Entschuldigung, aber die musste noch sein!).  Entweder umschreibt man den Sachverhalt der Redewendung oder man sucht eine entsprechende Redewendung in der Zielsprache der Übersetzung. Das ist vielleicht etwas aufwändiger und erfordert etwas mehr Zeit, aber ich denke, es lohnt den Aufwand, denn Redewendungen bereichern unsere Sprache. Was meint ihr?   

Autorin: Ina Kropeit

Written by vendor