twitterfacebookgooglexinglinkedin

Las Distancias – Die Entfernung… oder eher die Entfremdung

Las Distancias – Die Entfernung… oder eher die Entfremdung

Etwas, dass ich sehr an Madrid schätze, seit ich hier wohne, ist die große Auswahl an Kultur. Die Stadt ist voller Konzerte, Museen, Kunstausstellungen, große Kinos, in denen alle Blockbuster laufen, aber auch kleinere Kinos, wo „Indie“-Filme laufen, die ja auch ganz interessant sein können.

Gestern hatte ich die Chance, eine dieser Produktionen in der „Academia del Cine“ (Filmakademie) sehen zu können. Es handelte sich dabei um Las Distancias (deutsch: Die Entfernung, auch wenn ein passenderer Titel die Entfremdung ist), von spanischer Regisseurin Elena Trapé, wie ihr oben im Bild sehen könnt. Ich wusste nicht wirklich, worauf ich mich da eingelassen hatte, ich fasse es euch mal kurz zusammen: Im Film geht es um die Beziehungen zwischen vier Leuten, die sich zu Uni-Zeiten anfreundeten und von denen einer nach dem Studium nach Berlin zog, alle anderen blieben in Barcelona, in Spanien. 15 Jahre später beschließen die anderen drei, dem Vierten einen Besuch in Berlin abzustatten und ihm so zu seinem 35. Geburtstag zu überraschen. Das Wiedersehen läuft aber nicht so wie geplant, 15 Jahre sind eine lange Zeit und Leute ändern sich ja —in manchen Fällen werden sie zu einer vollkommen neuen Person.

Der Film hat mich sehr positiv überrascht. Es stellt so wahrhaft dar, wie ein Freundeskreis auseinanderbrechen kann, weil manche ein neues Leben woanders anfangen und sie sich nach und nach auseinanderleben und der Kontakt nicht aufrechterhalten wird. Und wenn man später versucht, diesen Kontakt wieder zu erlangen, mit der Hoffnung, dass es sich so „wie in alten Zeiten“ anfühlen wird, kann es sogar den entgegengesetzten Effekt haben, weil vielleicht haben sich die Leute ja so geändert, dass sie nichts mehr von dem verbindet, was sie in der Vergangenheit zu Freunden gemacht hat — sie sind grundsätzlich zu Fremden geworden. Der Film stellt auch sehr gut dar, wie jeder der Charaktere mit dieser Situation umgeht (oder versucht, sie zu verhindern/ignorieren) und ich glaube, es ist sehr einfach, sich in die Charaktere hinein zu versetzen, da wir bestimmt ähnliche Situationen durchlebt haben.

Auch sprachlich hat mich der Film sehr überrascht. Da es ein spanischer Film ist, habe ich natürlich erwartet, dass es ganz auf Spanisch sein würde, aber da die Charaktere aus Barcelona sind, haben manche auch Katalanisch gesprochen, deren Übersetzung wir in den Untertiteln sehen konnten. Beide Sprachen waren im ganzen Film ganz natürlich im Dialog gemischt, so wie es wirklich in den Regionen, wo Katalanisch gesprochen wird, geschieht. Da sich der Film in Berlin abspielt, konnten wir natürlich auch manchmal Deutsch hören, z.B. in einer Szene in einer Bar oder im Supermarkt, oder auch Englisch, denn nicht alle Spanier sprachen auch Deutsch. Da war mein vielsprachiges Selbst sehr begeistert.

Alles in allem finde ich, dass es ein kreativer Film war, der uns auf eine sehr interessante Weise ein Bisschen mehr Einsicht in uns selbst gegeben hat. Sowas schaue ich gerne :)

Redactora: Lili Cortés

Written by vendor