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Karneval und die Fallas

Karneval und die Fallas

Gestern sind hier in der Provinz Valencia in Spanien die Fallas zu Ende gegangen. Dies ist eine laute und fröhliche Feier, die in der gesamten Provinz gefeiert wird, die aber die Hauptstadt Valencia für beinahe zwei Wochen zum Stillstand bringt. Für manche Anwohner ist es eine Riesenfreude, für andere eher laut und lästig. Als ich jetzt die Tage durch die Straßen Valencias lief, kamen mir einige Gedanken.

In Deutschland wird Karneval gefeiert, hier in der Provinz Valencia werden die Fallas gefeiert. Die Idee ist ähnlich, viel Spaß, wer feiert nicht gerne und jede Entschuldigung ein guter Grund ist, um noch etwas mehr zu feiern.  Und so verschieden sind die Feiern gar nicht.

Sogar mit Blick auf ihre Geschichte kann man die Feiern vergleichen. Kritik war schon immer erlaubt. Bei den deutschen Prunksitzungen darf und durfte man offen kritisieren, in der Vergangenheit durfte man im Deutschen Reich auch haltlos feiern und die Kirche drückte ein Auge zu.

Eine Menge der Leser dieses Blogs werden es wissen, in Valencia sieht es nämlich ähnlich aus, auch wenn es sich ein bisschen anders gestaltet: jedes Stadtviertel baut eine riesige Statue aus Pappmaché, die ein und mehrere kritische Themen haben kann, so etwa schlechte Angewohnheiten des Bürgermeisters oder unangenehme Zahlungen der Sozialversicherung oder zu wenig Rente oder Umweltverschmutzung oder zu viele billige chinesische Schnäppchenläden und Basare – die Themenauswahl ist endlos. Dazu steht die Stadt fast zwei Wochen still, weil alle Anwohner bis in die frühen Morgenstunden feiern, und wer sich nicht den Rausch am Vormittag ausschläft, kann bei den lauten Böllern mitmachen, die morgens um acht Uhr und dann nochmals um die Mittagszeit losgelassen werden und die gesamte Stadt zum Erzittern bringen und sie dann in Rauch wickeln. In Deutschland  und den Karnevalshochburgen wird auch ausgiebig gefeiert, und nicht nur von Altweiberfastnacht bis Rosenmontag.

Die Idee Feuer findet sich auch in beiden Kulturen wieder: Im deutschen Raum hat man früher den Winter und böse Geister ausgetrieben, indem man altes, unbrauchbares Holz verbrannte. Damit wurde auch Raum für etwas Frisches und Neues gemacht. Die valenzianische Tradition hat genauso angefangen: Die Menschen verbrannten Holzreste und alte Möbel. Einige provokante Köpfe dekorierten dann ihre Holzstapel mit verkleideten Strohpuppen. Künstler sahen darin ihre Gelegenheit und formten Wachspuppen, und so bekam die Entwicklung ihre eigene Dynamik. Die Künstler wechselten später zu leicht brennbarem Pappmaché. Heute ist die Stadt Valencia zwei Wochen lang bis zum 19. März mit teilweise mehr als haushohen Statuen geschmückt, die in vielen Kreuzungen aufgestellt werden. Der Verkehr wird natürlich umgeleitet. Diese Statuen werden dann in der Nacht zum 19. März, dem Josephstag, dem Tag des spanischen Schutzpatrons (der auch gleichzeitig der Vaterstag in Spanien ist), direkt in den Straßen verbrannt.

Jetzt ist Zeit zum Aufruhen, immerhin muss man hier in Valencia ab jetzt nicht bis Ostern fasten…

Cornelia Forster 

Written by editor