twitterfacebookgooglexinglinkedin

Die Sprache der Tiere

Die Sprache der Tiere

Hohes oder tiefes Wiehern

Durch den Förster aus der Eiffel Peter Wohlleben wurde uns das Leben im Wald in personifizierter Form näher gebracht. Mit den Büchern und TV-Interviews des sympathischen Outdoor-Mannes kamen Flora und Fauna quasi zu uns aufs Sofa. Alles kommuniziert, auch die Bäume und Tiere. Und das in bisher ungeahnt vielseitiger Form.
Wer tierbegeisterte Menschen um sich hat, weiß ebenfalls, dass Kommunikation nicht nur unter Menschen stattfindet. Wird ein Mädchen vom Pferdefieber gepackt, muss der Rest der Familie oft lange Monologe der jungen Reiterin aushalten, deren Längen weit über die Dauer eines Sonntagsfrühstücks hinausgehen: „Die Waldfee war dann voll sauer auf den Bailador und hat dann nur noch geschmollt. Und Pinky ist echt manchmal eine kleine Zicke und trickst uns total aus, wenn sie den Kopf so Plinker-Plinker mäßig vorstreckt und ein ganz bestimmtes Wiehern hat. Aber das krasseste ist, wenn Hotti so tut, als sei er der Kaiser von China und alle anderen hinter ihm herdackeln und nur noch nach seiner Aufmerksamkeit lechzen.“
Zeichen, Laute, Sender und Empfänger. Unter den Tieren ist sprachlich alles vorhanden – mit Ausnahme der Schriftzeichen, die jedoch keine Voraussetzung für Sprache sind, sondern nur eine Form ihrer Darstellung. Verständigung durch Laute und Körperzeichen – das ist Sprache.
Und Tiere kommunizieren nicht nur untereinander sondern auch mit dem Menschen.
Die Bibis und Tinas dieser Welt berichten, wie das funktioniert: Kleinste Muskelanspannungen und Gewichtsverlagerungen des Reiters zeigen die Richtung an, Ausatmen und Entspannung bringen das Pferd zum Stehen, Handzeichen und verbale Kommandos unterstützen die Arbeit am Boden. „Und heute hat die Zipy gleich gemerkt, dass ich wegen der Mathe-Arbeit morgen ein bisschen nervös war. Da konnten wir das Training glatt vergessen. Das überträgt sich voll.“ Tierische Empathie. Für jedes Gespräch von großem Nutzen. Und Wohlleben weiß auch die Tonfrequenzen und Tonhöhen des Wieherns zu verstehen und damit die jeweilige Tageslaune seines Pferdes einzuschätzen. Auch dazu gibt es ein Beispiel aus dem jugendlichen Reiter-Leben: „Wenn Hotti alleine im Stall zurückbleibt, wiehert er die ganze Zeit ganz traurig und ängstlich vor sich hin, weil er die anderen Pferde so vermisst. Jetzt nehmen wir ihn immer mit, auch, wenn er gar nicht geritten wird.“ Hat er es also geschafft, der Hotti.

Christine Wolter

Written by editor