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Wortsuche – Kann Eifer süchtig machen?

Wortsuche – Kann Eifer süchtig machen?

Gestern erzählte mir ein Bekannter von dem eifersüchtigen Freund seiner Tochter und dass eben diese Eifersucht demnächst zu einer Trennung führen wird. Initiiert durch die Tochter. Der Freund scheint es auf die Spitze getrieben zu haben und krankhaft eifersüchtig zu sein. Ich hörte mir die Ausführungen meines Bekannten an und überprüfte mich währenddessen, ob ich in ähnlichen Situation eifersüchtig wäre. Manchmal ja, manchmal nein. Und hoffentlich nie krankhaft. Gleichzeitig überlegte ich, wie der Begriff „Eifersucht“ zustande gekommen ist. Geschichtlich betrachtet. Eifer ist ja zunächst einmal nichts Schlechtes. Kinder, die eifrig am Malen sind, können sich einer Sache voll und ganz verschreiben. Wie, also, erklärt sich dieses Wort, „das Leiden schafft“?
Wenn man nach seinen Wurzeln sucht, dann liegen die in einer Zeit, in der die Begriffe „Sucht“ und „Eifer“ noch nicht die gleiche Bedeutung hatten wie heute. Im Althochdeutschen bedeutete „eibar“ so viel wie „scharf, bitter“, zum Teil auch in der Bedeutung „schmerzhaft“. Und das Wort Sucht war ursprünglich auch weiter gefasst. „Suht“ im Althochdeutschen war eine allgemeine Bezeichnung für Krankheit, verwandt auch mit dem heutigen Wort „Seuche“. Der Begriff Eifersucht bedeutete ursprünglich also so viel wie „krankhafte Verbitterung“ oder „Bitterkeit“. Mit dieser Erklärung wird einem schnell klar, warum Eifersucht direkt in die Beziehungskrise führt. Als Ursachen werden für die krankhafte Eifersucht oftmals Ängste und ein geringes Selbstwertgefühl genannt. Hierin liegt wohl auch die einzige Parallele zu anderen Süchtigen, z.B. Alkoholsüchtigen. Ansonsten hat die Eifersucht tatsächlich nicht viel mit einer Sucht zu tun. Außer, vielleicht, dass man nur schwer davon loskommt.
Interessant finde ich, dass ohne diese etymologisch motivierte Wort-Erklärung das süchtige Eifern gar nicht so schlimm ist. Eifersucht ist unter den Psychologen ja sehr in Verruf geraten. Aber seien wir doch mal ehrlich: Wenn die von uns geliebte Person so gar nicht zusammenzuckt, wenn wir von einem „super netten, spontanen Treffen mit einer sehr guten alten Freundin/einem sehr guten alten Freund“ berichten, sind wir doch auch nicht zufrieden, oder? Dann kann es auch schnell zu einem Streit in puncto „Dir ist wohl völlig egal, was ich tue!“ kommen. Sei’s drum: Das richtige Maß ist auch hier wieder einmal gefragt.

Christine Wolter

Written by editor