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Das Luther – Jahr Die Kunst des Übersetzens

Das Luther – Jahr Die Kunst des Übersetzens

Vergangenes Wochenende habe ich ein Kinder-Musical zum Leben und Wirken Martin Luthers gesehen. Die jungen Darsteller sind mit viel Elan und Spielfreude dem „Geheimnis der Wartburg“ auf die Schliche gekommen und konnten in einer knappen Stunde die wichtigsten Gedanken Luthers in gesungener und gespielter Form auf die Bühne bringen. Es war toll. Besonders ist mir die Übersetzungs-Szene in Luthers Studierzimmer in Erinnerung geblieben und die Suche nach einer passenden Übersetzung für „frühbotschaften“. In einem früheren Blog habe ich bereits Luther und seinen „Sendbrief vom Dolmetschen“ erwähnt; die erste theoretische Abhandlung über die Prinzipien des Übersetzens, über die Zweckgebundenheit, Verständlichkeit und Berücksichtigung der kulturellen und sprachlichen Bedürfnisse der Zielgruppe. Als Zuschauer der „Studierzimmer-Szene“ wurde mir erneut deutlich, welch große Verantwortung in der Übersetzer-Tätigkeit liegt. Schon meine Lehrer, Dozenten und Professoren haben uns – vor vielen, vielen Jahren -  während unseres Studiums immer wieder verdeutlicht, dass die Suche nach dem passenden Begriff von nun an unseren beruflichen Alltag bestimmen wird. Und so ist es auch. Immer und immer und immer wieder tauche ich in einen Trog von Begrifflichkeiten ein, überprüfe, probiere, recherchiere und entscheide. So, wieder Luther für sein „frohbotschaften“ auf die inhaltlich, stilistisch, kulturell und grammatikalisch richtige Übersetzung gekommen ist. Dort auf der Wartburg, hinter verschlossener Tür, in Einsamkeit und Stille. Wie gut täte es allen Übersetzern „der neuen Zeit“, sich von ihrer Software auch mal zu distanzieren und in einen Trog von Begrifflichkeiten einzutauchen. Agenturen, die den Inhalt des Übersetzer-Computers abfragen, Kollegen, die Terminologie-Datenbanken abgleichen und Partner, die eine Spur zu schnell in der Anfertigung der Übersetzung sind. Speed und Translation passen nicht zusammen. Das wusste schon Martin Luther: Ach, es ist Dolmetschen keineswegs eines jeglichen Kunst, wie die tollen Heiligen meinen; es gehöret dazu ein recht fromm, treu, fleißig, furchtsam, christlich gelehret, erfahren, geübet Herz. (…)

Chrisine Wolter

Written by editor