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Sprachsoziologie – Sprache und Gesellschaft

Sprachsoziologie – Sprache und Gesellschaft

Unter dem ständigen Einfluss multimedial transportierter sprachlicher Nachrichten – in gesprochener oder geschriebener Form – finde ich im Moment die Frage nach dem Wechselspiel zwischen Sprache und Gesellschaft besonders spannend. Wie beeinflusst unsere Sprache die Gesellschaft und wie beeinflusst die Gesellschaft unsere Sprache? Dass eine Beeinflussung stattfindet, muss nicht hinterfragt werden. Und wer es wissenschaftlich mag, kann diesbezüglich eine ganze Menge Vorlesungen und wissenschaftlicher Arbeiten im Netz finden. Ich schaue mich heute aber einfach mal um und nehme das, was sich mir sprachlich direkt präsentiert. Bei facebook begrüßt mich gleich das Video eines Middle-Agers, der  – wie bereits viele andere vor ihm – ein Gestern-Heute-Vergleich mehr oder weniger vom Blatt liest. Sprachlich ist zu merken, dass er in der Schule alles Notwendige gelernt hat, um durchaus korrekte Sätze zu bilden. Inhaltlich bleibt hängen: Gestern war alles besser. Hallo? Und was ist mit heute? Sollen wir jetzt depressiv werden, weil wir zu spät geboren wurden?

Auch lese ich mal wieder „Ich finde, man sitzt insgesamt viel zu wenig am Meer“. Ein Satz, den alle gerne posten, wenn sie a) tatsächlich endlich mal wieder am Meer oder b) im Büro sitzen. Warum nicht einfach am Meer oder im Büro sitzen und Punkt? Was offenbaren wir, wenn wir so einen Satz auf die Datenautobahn schicken? Dass wir das Meer und damit unsere Freizeit vergessen und an beide erinnert werden müssen?
Ein Telefonat mir einer Freundin weiht mich in die Problematik der verbalen Gewalt auf Hamburger Schulhöfen ein. Ihr Sohn, bisher ein richtig Süßer, übernimmt die sprachlichen Eskapaden seiner Mitschüler und legt mittlerweile ein völlig neues Verhalten an den Tag. Insgeheim frage ich mich, warum ihr „Süßer“ all diese Baller-Spiele zocken darf, bei denen es nicht nur in sprachlicher Hinsicht gewalttätig zugeht.
Es gibt so viele Felder, die uns das Wechselspiel zwischen Sprache und Gesellschaft zeigen. Auch und besonders die ewig gleiche Diskussion um gendergerechte Sprache. Die Jugendsprache spiegelt zum Teil im Verhältnis 1:1 wieder, was Jugendliche tun und wie sie leben. Und ich selbst werde mal heute ganz genau beobachten, welche meiner sprachlichen Handlungen durch die Gesellschaft beeinflusst sind und welche dafür sorgen (könnten), dass die Gesellschaft sich verändert. Wir werden sehen.

Christine Wolter

Written by editor