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Lesen – Ich hab’s nur überflogen

Lesen – Ich hab’s nur überflogen

Während wir uns – vollkommen zurecht -  Gedanken über das korrekte Schreiben machen (erst neulich im Elternabend hat der Deutschlehrer meiner Tochter wieder engagierte Reden über die Wichtigkeit des Erlernens von Rechtschreibung & Co. geschwungen), stoßen wir auch immer häufiger auf ernsthafte und weniger ernsthafte Probleme, weil nicht richtig gelesen wird. So hat zum Beispiel eine Mutter die sms ihres Sohnes nicht richtig gelesen und zur Prime Time dafür gesorgt, dass ein ganzes Kino geräumt wurde (da wurde aus „ich werde rumgebracht“ mal schnell „ich werde umgebracht“). Auch finden sich Paare leicht in erhitzten Diskussionen wieder, weil ein für den Inhalt zentrales Wort falsch gelesen wurde. Verabredungen kommen nicht zustande, Bitten werden nicht erfüllt und manchmal wird so schnell gelesen, dass das Gelesene es durch die High-Speed-Aufnahme nicht einmal ins Ultrakurzzeitgedächtnis geschafft hat. Mit den E-Mails verhält es sich ähnlich. Aufgrund der Flut von Nachrichten, die tagtäglich über zigfache Adress-Verteiler auf unserem Bildschirm landen, werden diese nicht mehr richtig gelesen. Und ich meine nicht die Nachrichten von Schuhverkäufern und Kaffeelieferanten. Ich meine die wichtigen Nachrichten. Die, die unbedingt gelesen werden sollten, damit Termine eingehalten und erforderliche Antworten gegeben werden. Ein Freund von mir stöhnt schon immer aufgrund seines vollen E-Mail-Postfaches; ihr könnt euch vorstellen, wie sehr ich ihn beknie, sich niemals WhatsApp auf sein Smartphone zu laden. Er stünde sicherlich ständig kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Und wirklich lesen würde er wahrscheinlich gar nichts mehr.

Das fehlerhafte Lesen von sms, WhatsApp-Nachrichten und E-Mails hat aber nichts mit einer Lese-Rechtschreibschwäche zu tun. Es ist schlicht die Masse an Nachrichten, die uns tagtäglich zugetragen wird. Die ist nicht zu bewältigen. Jedenfalls nicht richtig. Ganz davon abgesehen, dass besonders Kurznachrichten auch so oder so oder so gelesen werden können und die jeweilige Stimmung des Lesers dafür verantwortlich ist, in welcher Ecke unseres emotionalen Stübchens die Nachrichten landen. Und schon komme ich auf mein Lieblingsthema: Redet doch einfach mal wieder miteinander. Mit einem Smartphone kann man auch telefonieren. Und dann verabredet ihr euch. In diesem Sinne: Dum spiro spero.

Christine Wolter

Written by editor