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Chorkonzert

Chorkonzert

Die Musik und ihre Brücken

Es war ein Versuch, was sich da auf einer Hamburger Freilichtbühne ereignet hat. Ein Männer-Chor hatte einen Kinderchor eingeladen, gemeinsam ein Chorkonzert zu gestalten. Geniale Idee!
Männerchöre haben für mich ja immer diese ganz besondere Klangfarbe. Die klaren Tenöre und die satten Bässe, die jedem Lied einen gewichtigen und kraftvollen Klangteppich bescheren, auf dessen stabiler Grundlage die Melodien das hörende Ohr verzaubern können. Und Kinderchöre finde ich per se klasse. Erwartungsvoll setze ich mich auf einen der Stühle und harre der Dinge, die da kommen.

Pünktlich beginnt dann das Freiluftkonzert in schönster Hamburger Sonne. Der Männerchor stimmt „Conquest of Paradise“, eine „Volkslieder Hitparade“ und eine „Griechische Meldodienreise“ an. Ich genieße die Sicherheit der Stimmführung, die Souveränität und – ja -  schlicht und ergreifend die Männerstimmen. Dann ist der erste Block auf einmal vorbei und die Kinder betreten die Bühne; ein bisschen schwerfällig, wie bei einem nicht ganz perfekt justiertem Zahnrad. Die Kinder versuchen, ihren Platz zu finden, was nicht einfach ist. Die Open-Air-Bühne scheint grenzenlos. Die Kinder beginnen mit „Chöre“ von Mark Forster. Es folgt ein Kanon und dann „Warum bin ich so fröhlich“ von Hermann van Veen. So richtig fröhlich sind sie nicht, die kleinen Sänger. Scheinen sie doch nicht zu wissen, in welcher Atmosphäre sie sich gerade befinden. Nach dem vierten Song ist auch dieser Block vorbei und der nächste Wechsel steht an. So gehen die Chöre an diesem Nachmittag ein paar Mal aneinander vorbei. Berührungspunkte gibt es kaum.
Als das Konzert vorbei ist, weiß ich gleich, was gefehlt hat: Gemeinsame Auftritte beider Chöre! Den Männern die Songs von Forster nahe zu bringen und den Kindern die „Volkslieder Hitparade“ – das wäre es gewesen! Wenn wir nur so aneinander vorbeigehen, klaffen scheinbar Welten zwischen uns und das Zahnrad kommt nicht richtig zum Laufen. Musik kann stabile Brücken bauen. Das wurde wohl vergessen.

Christine Wolter

Written by editor