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Lokalzeitungen

Lokalzeitungen

Wahre Kämpfer

Heute möchte ich an dieser Stelle von einem Zeitungsprojekt berichten, das schlichtweg beeindruckt.
Vor einigen Jahren hat ein Stadtteil Hamburgs seine Lokalzeitung verloren. Die Gelder fehlten, Anzeigenkunden blieben weg und die digitale Welt nahm krassen Einzug in die Medientechnik. So wurden die Themen des Stadtteils eingestampft und passend gemacht für die Beilage des großen, allumfassenden Stadt-Blattes, das allerdings mittlerweile auch um seine Abonnenten kämpft.
Einer der Journalisten des verlorenen Blattes sagte sich und allen anderen „Das darf nicht sein, dass wir auf eine Lokalzeitung verzichten müssen“ und im Gegensatz zu allen anderen, die das auch sagten, sagte er es nicht nur, sondern handelte auch. Und das ist die erste Sache, die beeindruckt. Dieser Journalist nahm wenige Gelder, wenige Mittel und wenige Menschen zusammen und machte eine Lokalzeitung. Die wenigen Gelder waren schnell verbraucht, die wenigen Mittel müssen ständig neu gewonnen werden und die wenigen Menschen benötigen für jede Ausgabe Extra-Schübe von Motivation und kreativer Energie. Denn die Zeitung, die alle 14 Tage erscheint, hat die 89. Ausgabe erreicht und bisher hat noch niemand auch nur einen Cent daran verdient. Doch ist das ein Grund, hinzuschmeißen? Mitnichten. Die nächste Sache, die beeindruckt.
Wer die Zeitung aufschlägt, merkt gleich, das hier etwas ganz Eigenes entstanden ist. Ein ungewöhnliches Format, ungewöhnliches Papier, individuelle Illustrationen, lokale News im offline-Modus – und eine gradlinige, direkte und die Sache auf den Punkt bringende Schreibe. Von niemandem abhängig, kann die Redaktion Meinungsfreiheit leben, die besonders in dieser Zeit pure Dankbarkeit für eine irgendwie doch noch funktionierende Demokratie auslöst. Und die Zeitung und ihre Macher lassen sich nicht verunsichern. Auch das beeindruckt zutiefst.
Wer es versäumt, sich für dieses Blatt zu öffnen und stattdessen lieber in das allgemein verbreitete Herumkritteln verfällt, bringt sich um wichtige Informationen über den Stadtteil, in dem er lebt. Denn diese Informationen bekommt man nur von einem Journalisten, der ganz nah dran, besser noch, mittendrin ist.
Und das ist er, der in meinem Stadtteil lebende Kämpfer des Lokaljournalismus, der gerne Benjamin Franklin, einen der Gründungsväter der Vereinigten Staaten, zitiert: „Lokalzeitungen sind einer der Grundpfeiler der Demokratie“. Noch Fragen?

Christine Wolter

Written by editor