twitterfacebookgooglexinglinkedin

Angeblich unübersetzbare Wörter

Angeblich unübersetzbare Wörter

Versteckte Herausforderungen

Das Internet lässt nichts aus. Und so gibt es auch eine Liste mit angeblich unübersetzbaren Wörtern. Einer der Protagonisten ist das Wort „hygge“, das im Dänischen und Norwegischen „ein tiefes Gefühl für einen Ort, Wärme, Freundschaft und Zufriedenheit“ ausdrückt. Oder das japanische Wort „bakku-shan“, das Frauen beschreibt, die nur von hinten schön sind. Eine Frau, die nur von hinten schön ist.
David Tripolina – angeblich ein New Yorker Psychologe – hat diese Begriffe in seinem Buch „Einzigartige Wörter“ gesammelt. Hier noch ein paar Beispiele:
Feuillemort“ beschreibt im Französischen die Farbe von verblasstem Laub.
„Duende“ ist ein wunderbarer spanischer Ausdruck für die Kraft eines Kunstwerkes, die nicht zu erklären ist.

Wesentlich komplexer wird es bei dem tschechischem Begriff „litost“: So heißt die gedemütigte Verzweiflung, die wir fühlen, wenn uns jemand versehentlich durch seine Erfolge an all das erinnert, was in unserem Leben schiefgegangen ist. Nicht einfach.
Das neuhebräische „lehizdangef“, wird es aufgrund seiner komplizierten Aussprache niemals in unseren Sprachgebrauch schaffen. Was ein bisschen schade ist, denn „sorglos Spaß haben“ kann gerne Einzug nehmen in unseren Alltag und unsere Sprache.
Besonders schön finde ich das aus der südindisch-dravidischen Tulu-Sprache entstammende Wort „karelu“ für den Abdruck, den ein enges Kleidungsstück auf der Haut hinterlassen hat.

Ob diese und alle weiteren aufgeführten Wörter (insgesamt sind es 333) tatsächlich unübersetzbar sind, entspricht natürlich nicht der sprachlichen Realität. Sie lassen sich übersetzen, wenn auch zum Teil recht umständlich. Aber genau das macht unseren beruflichen Alltag so spannend. Sich diesen Herausforderungen zu stellen und semantisch-stilistisch optimale Lösungen zu finden, macht einfach Spaß. Besonders im Zusammenschluss mit netten Kollegen, die heutzutage weltweit in den Übersetzer-Foren zu finden sind. Und ja – alles kann übersetzt werden. Das geht nur nicht mal eben in fünf Minuten. Ich sitze manchmal an einem Satz länger als an 15 vollgeschriebenen Seiten.

Übrigens: Die legendären 100 Eskimo-Wörter für Schnee gibt es gar nicht. Dieser Mythos wurde widerlegt und es konnte aufgezeigt werden, dass die zahlreichen eskimo-aleutischen Sprachen auch nicht mehr Wörter für Schnee haben als das Deutsche. Hier, also, herrscht Klarheit am sprachlichen Horizont.

Christine Wolter

Written by editor