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Urheberrechte

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Wenn eigene Songs einen ungewollten Weg einschlagen

Songtexter gehören wahrscheinlich zu den emotionalsten Schreiberlingen. Texte, die im Einklang mit Melodie, Rhythmus, Stimme und Instrumenten in die Welt hinausgetragen werden, müssen emotional sein; sonst erreichen sie die Menschen nicht. Manche Sänger schreiben ihre Texte selber, sprechen offen über die persönlichen Komponenten ihrer Songs und singen von Trennungsschmerz, Einsichten, Einstellungen und subjektiven Beobachtungen. Oder sie lassen schreiben, identifizieren sich mit den Texten und betonen im Interview, dass das Lied nichts mit ihrem persönlichen Leben zu tun hat.

Besonders in der deutschen Musikszene erfahren „Geschichten, die das Leben schreibt“ einen unfassbaren Hype und man wundert sich fast, wieviel Gefühl in der deutschen Seele steckt. Ob Andreas Bourani, Knuddelbär Adel Tawil, Mark Forster, Bosse, Phillip Poisel und wie sie alle heißen… Mit Themen rundum Liebe, Schmerz, Freundschaft und Fernweh – immer gespickt mit einem Hauch sozialkritischem Denken – scheinen sich die Menschen leicht identifizieren zu können. Denn der Flow reißt nicht ab und die Charts werden abwechselnd erobert.

Was passiert aber mit einem Songwriter, dessen Lied inhaltlich verdreht und für parteipolitische Zwecke missbraucht wird? Wenn er mitansehen muss, wie eine Partei, deren Gesinnung im hundertprozentigen Gegensatz zu seiner eigenen steht, seinen Song als Eingangsmelodie fürchterlicher Parteitage nutzt? Wenn er mitbekommt, dass der Auftritt eines rechtspopulistischen Grobians musikalisch unterstützt wird durch eine Aufnahme, für die er als Musiker Energie, Herzblut und vor allem seine innersten Gefühle eingesetzt hat? Und dass dieser Grobian auch noch tosenden Applaus erhält – bei laufender Musik.

Dieser Songwriter kann sich nur hundsmiserabel fühlen. Er wird immense Wut empfinden, Empörung, vielleicht sogar Ekel. Und er geht los und versucht, seinen Song zu retten. Er kann nicht oft genug erklären, dass er sich von der jeweiligen Partei mit aller Deutlichkeit distanziert. Er lässt Anwälte sprechen und prozessiert durch sämtliche Instanzen. Manchmal klappt’s und er kann sein Lied zurückholen, viel zu oft klappt es aber nicht. Und das, liebe Leute, verstehe ich nicht.

Christine Wolter

Written by editor