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Kleine Zeichen – mit großer Vorsicht zu genießen

Kleine Zeichen – mit großer Vorsicht zu genießen

Die so gern genutzten Emojis bringen mich oftmals ins Grübeln. Viel lieber schreibe ich Nachrichten ohne dekoratives Beiwerk – weiß ich doch nie so genau, welche Emotionen sich tatsächlich hinter den Bildchen verstecken. Doch Nachrichten ohne Emojis wirken neben ihren bunten Kollegen fast farblos und desinteressiert, was meiner Motivation als Schreibende so gar nicht gleichkommt.

Nun wurden aber zwei Fälle bekannt, in denen die Frage, ob Emojis als Sprache bezeichnet werden können oder lediglich als Bilderschrift, nicht nur sprachwissenschaftlich sondern auch juristisch diskutiert wird. Eine Frau in Israel hat durch das Einfügen einer Flamencotänzerin, zwei tanzender Mädchen mit Häschenohren, eines Victory-Zeichens, eines Kometen, eines Eichhörnchens und einer Sektflasche ungewollt ein Haus gemietet. Der Vermieter konnte nachweisen, dass die Interessentin durch das Einfügen der Emojis eine klare Mietabsicht ausgedrückt hat. Sie aber wollte nicht mieten und musste eine Geldstrafe zahlen.

In einem anderen Fall hat ein Arbeitnehmer in einem Posting über sein Chef ein Schwein eingefügt, was zwar nicht zur Kündigung führte, aber doch zur gerichtlichen Anmerkung, dass „die Bezeichnung einer anderen Person als fettes Schwein ohne Zweifel eine große Beleidigung darstellt.“

Bei mir halten sich die Probleme in Grenzen. Zu einer Anzeige oder einem Gerichtsprozess ist es noch nie gekommen. Da ich jedoch nie Lust habe, in Online-Tabellen nachzuprüfen, ob sich dieser oder jener Emoji nun tatsächlich freut oder doch nur kaputtlacht, gehe ich häufig große Risiken ein. Drücke ich aus, dass ich mich freue oder drücke ich Freude mit Scham aus? Wird meine Verzweiflung deutlich oder schreibe ich gerade, dass ich stinksauer bin? Habe ich kundgetan, dass ich den Empfänger für das, was er getan hat, bewundere oder kam meine Nachricht einem Liebesgeständnis gleich? Nicht einfach. Daher probiere ich mich auch nur bei engsten Freunden aus. Da kann ich Missverständnisse immer gleich aufklären.

Also Vorsicht beim Gebrauch von Emojis! Unbedachter Gebrauch kann teuer werden.

 Christine Wolter

Written by editor