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Harburg und seine Technische Universität

Harburg und seine Technische Universität

Namensgebung und -entledigung

 

Eltern sinnieren in der Regel lange und detailreich über einen passenden Namen für ihr Kind nach. Es werden Listen eingesehen, Freunde werden befragt und die Namen der Urgroßeltern erwachen zu neuem Leben. Und dann trägt der neugeborene Mensch einen Namen, vielleicht noch durch die Taufe bestätigt, und behält diesen sein Leben lang.

Nicht aber die TUHH, die Technische Universität Hamburg-Harburg. Der Präsident und seine engsten Mitarbeiter wollten sich des Zusatzes „Harburg“ entledigen und taten dies bereits im vergangenen Jahr – ganz heimlich, still und leise. Denn gemäß Hochschulgesetz dürfen sie dies gar nicht. Es wurden Fristen verpasst und die Uni hätte noch einige Jahre warten müssen, um eine Namensänderung legal und hochoffiziell durchführen zu können. So änderten die Chefs erst mal die Außenwirkung (Schilder, Bushaltestellen, Werbematerial etc.) während Diplome und andere amtlichen Dokumente noch das „Harburg“ tragen müssen. Warum, aber, passt den Uni-Amtsträgern das „Harburg“ nicht mehr? Harburg liegt im südlichen Teil Hamburgs und vermittelt bei einigen Leuten wohl immer noch ein gewisses „Schmuddel-Image“, das den Menschen, die mit der TU auf internationaler Ebene viel Geld machen wollen, nicht ins Konzept passt. Offiziell wurde gesagt, es sei unkomplizierter, statt „Technische Universität Hamburg-Harburg“ einfach „Technische Universität Hamburg“ sagen zu können. Da wünscht man sich, dass die Herrschaften in ihrer Begründung wenigstens ehrlich sind. Aber – so what? – mit der Ehrlichkeit hapert es ja im Moment sowieso an allen Ecken und Enden.

Gestern habe ich erfahren, wie eng die Errichtung und Schaffung der Technischen Universität mit dem Stadtteil Harburg verknüpft war. Harburg sollte eine Aufwertung erfahren. Die Standortwahl wurde sensibel durchdacht, Kleingärten dabei geschützt. Studenten benötigten Wohnraum und Angebote aus Wissenschaft, Lehre und Kultur. Harburg erhielt eine Chance und hat diese verantwortungsvoll genutzt. Und nun soll Harburg aus dem Hochschul-Namen verschwinden. Denn die Gebäude lassen sich nicht einfach in einen hipperen Stadtteil verpflanzen.
Kinder haben mit drei oder vier Jahren oftmals ganz plötzlich Lust auf einen anderen Namen. Da spielen Eltern und Großeltern dann ein paar Wochen mit, bis sich der kleine Fratz wieder auf seinen eigentlichen Namen besinnt und der Spuk vorbei ist.
Hoffen wir das Beste für Harburg und seine TU.

 

Christine Wolter

Written by norak