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Linguistische Phänomene

Linguistische Phänomene

Deppenleerzeichen

 

Da hab ich mich jetzt aber mal gewundert. Auf der Suche nach Erklärungsansätzen bezüglich der deutlichen Abneigung gegenüber des Bindestrichs in der deutschen Sprache bin ich auf eine beträchtliche Anzahl von Websites, Blogs, Artikeln und facebook-Posts gestoßen, die dem sogenannten „Deppenleerzeichen“ gewidmet sind. Auch das „Deppenapostroph“ bekommt seinen Platz. Dieser ist allerdings schon viel älter und betrat bereits bei Büchners „Danton’s Tod“ die Diskussions-Bühne. Und Thomas Mann schien ohne diese „Hässlichkeit“ (so benannt durch Meister Grimm) überhaupt nicht schreiben zu können. Aber auch beim Apostroph verwundert mich die beträchtliche Anzahl an Einträgen und Internetseiten. Da scheint mir wohl eine Nische des WWW durch die Lappen gegangen zu sein. Denn: Das Deppenleerzeichen wird nicht einfach nur genannt. Nein, es hat eigene Websites. „Keine Macht dem Deppenleerzeichen“ ist hierbei nur einer der Slogans, die Verwendung finden. Komposita werden im Deutschen entweder zusammen oder mit Bindestrich geschrieben. Immer häufiger jedoch findet man Rahm Soße statt Rahmsoße, oder Grafik Designer statt Grafikdesigner. Tendenz steigend. Was auch auf die verschiedenen Rechtschreib-Korrektursysteme zurückzuführen ist, die uns bekanntlich viel zu häufig auf den falschen Orthographie-Pfad führen. Natürlich gibt es – wie fast immer – auch eine Entlehnung aus dem Englischen und die vermaledeite Rechtschreib-Reform wird ebenfalls ihren Teil dazu beigetragen haben. Plötzlich werden Dinge scheinbar grundlos getrennt, die zuvor noch zusammengehörten. Das kennen wir nicht nur aus der Linguistik, führt zu Unsicherheiten und zu  überzogenem, unkorrektem Gebrauch.
Guckt man sich die Schriften auf Nahrungsmittel-Verpackungen an, wird aus dem Deppenleerzeichen jedoch ganz schnell ein Designerleerzeichen. Durch die Trennungsmöglichkeiten bei  längeren Begriffen erhalten Grafiker des Industrie-Designs viel mehr Spielraum für ihre kreativen Gestaltungsideen. Ein kleiner Wermutstropfen?

So oder so – wir sollten nach wie vor ein Auge auf unsere Sprache werfen und nicht alles mitmachen, nur, weil es die anderen machen oder weil es im Internet steht. Auch das gilt ja bekanntlich nicht nur für die Linguistik.

Christine Wolter

 

 

Written by norak