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Reden und Schreiben

Reden und Schreiben

Die Mischung macht’s

 

Wer schon einmal die Möglichkeit hatte, den Erzählungen des Vatikan-Experten Andreas Englisch zu folgen, weiß, dass es eine Freude ist, ihm zuzuhören. Es ist, als würde er das Publikum vollkommen in seinen Bann ziehen: Alle schauen ihn aufmerksam an, lächeln, hören konzentriert zu und schaffen es nur selten, vollständige Fragen an ihn zu stellen. Englisch scheint die Fragen aus dem Publikum bereits zu kennen und es brennt ihm unter den Nägeln, darauf zu antworten. Denn er möchte die Menschen informieren über diesen Papst, der alles umkrempelt – nein, der alles revolutioniert im Vatikan. Dieser Franziskus. Und Andreas Englisch spricht in einem rekordverdächtigen Tempo, denn die Fülle seiner Gedanken müssen in einen Satz passen, in ein kurzes Interview, und er scheint seinen zeitlichen Rahmen oder die Struktur eines Satzes maximal für sich nutzen zu wollen. Er spricht gut, auf jeden Fall flüssig, kein „äh“ durchbricht die Geschichten aus dem Vatikan. Er baut Sätze, deren Ende nicht absehbar ist, und doch ist am Ende alles schlüssig. Immer gibt es eine Pointe, aus jedem Satz nimmt der Zuhörer etwas mit. Dafür sorgen auch die spontan wirkenden und so menschlich klingenden Aussagen wie „Franziskus ist ‘ne coole Socke“, er sei „total süß“ und ein echter „Fighter“, der dem „Hauen und Stechen“ im Vatikan durchaus standhält. Englisch sagt, er habe das Gefühl, dass „endlich einer der guten Kumpels von Jesus von Nazareth im Vatikan eingezogen ist“. Eine Sprache, die so nah am Menschen und trotzdem gut gewählt und klar ist, erreicht die Menschen. Und Franziskus scheint über eine ähnliche Rhetorik zu verfügen. Dies wiederum wird deutlich, wenn man das Buch von Englisch über Papst Franziskus und die gesamten Machenschaften des Vatikans liest. Ein Buch, dass nur schwer wegzulegen ist, denn Englisch schreibt, wie er spricht. Die gleiche Mischung aus guter Schreibe und pur menschlichen Akzenten. Hinzu kommen die Papst-Zitate, die immer etwas mit dem Leser machen und aus Vatikan-Desinteressierten Interessierte machen.
Und schon weiß man, was uns aus unserer Politik-Verdrossenheit heraushelfen könnte. Doch da sehe ich nichts am sprachlich-politischen Himmel.

Christine Wolter

Written by norak