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Bücher schreiben

Bücher schreiben

Man hat eine Idee, einen Agenten und einen Verlag – doch dann fangen die Probleme erst an

 

Oft wird ja geklagt, es gebe so viele Bücher. Ungefähr 300.000 Millionen jedes Jahr. Wer soll die alle lesen? Hinzu kommen die Bücher, die noch unveröffentlicht in den Schreibtisch-Schubladen dieser Welt schlummern.

 

Ich habe vor ein paar Tagen den Bericht eines Autors gelesen, der wundervoll beschreibt, welch kurvenreiche Wege ein fertig geschriebenes Buch bis zum Buchladen bzw. Online-Shop beschreitet. Agenten, denen man eigentlich nicht zugetraut hätte, dass sie die angebotene Ware tatsächlich für gut befinden, Verleger, die zu schnell „ja“ sagen, um dann festzustellen, dass der jüngst präsentierte Roman dringend eine Überarbeitung benötigt, der junge Autor aber nur vier Wörter streicht und ein Adjektiv ersetzt und ein bis zwei Jahre später mit der Mitteilung „Nee, also das können wir nicht bringen“ einen herben Schlag verspürt. Der frustrierte Autor gibt dann seinen Freunden den Roman zu lesen, die ihm – im Gegensatz zum Verlag – mit konstruktiver Kritik weiterhelfen. Ganz verliebt scheinen Autoren in ihre Agenten zu sein. Sie seien die tollsten Leser. Man schreibe zwanzig Seiten (ein Exposé) und dann sagen sie schon „Grandios, das verkauf ich jetzt!“. Das Werk muss dann aber noch geschrieben werden.Und die Probleme beginnen wieder von vorne.

Auch berichtet der Autor von Büchern, „die gehen“ und Büchern, „die gerade nicht gehen“. Fußballbücher gehen gerade nicht, Geister finden zur Zeit viel Beachtung. Der Autor spricht mit seinem Agenten und während der Themenfindung wird beiden Seiten oftmals klar, dass man sich doch nicht so doll mag. Ein neuer Agent muss her. Dem präsentiert der Autor dann seine sämtlichen Buchideen, die alle direkt verworfen werden. Um das Gespräch aber noch ein bisschen am Laufen zu halten, zieht der Schreiberling irgend einen Gedanken aus seinem Kopf („ich hab da von einer Berliner Anwältin gehört, die so eine superspannende Spezialisierung hat“) und hört gleich darauf „Das verkaufe ich Ihnen sofort!“. Tja, so kann’s gehen.
Die Anwältin wird trotz Telefonphobie kontaktiert, der erste Schritt zum Buch, das nie geschrieben werden sollte, ist getan, und vielleicht wird es publiziert – im Herbst 2019; oder gar nicht.

 

Christine Wolter

Written by norak