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Weltbank

Weltbank

Nebulöse Sprache

 

Wissenschaftler haben die Sprache der Weltbank-Berichte analysiert und mussten feststellen, dass weder Verantwortliche noch ihre Handlungen konkret benannt werden und die Banker sogar die Zeit abschaffen wollen.
„Wovon man nicht sprechen kann, davon muss man schweigen. Wovon man nicht sprechen will, davon muss man schwafeln.“ So oder so ähnlich beschreiben zwei Wissenschaftler aus Frankreich und den USA die sprachlichen Tendenzen der Weltbank und zeigen, dass die Rechenschaftsberichte der Weltbank ins Unkonkrete fließen.
Es wird nicht mehr geschrieben, dass Hunger verhindert werden soll, sonder man schreibt von Nahrungsmittelsicherheit (food securitiy). Der sogenannte „Bankspeak“ entsteht und die Ghostwriter der Weltbank scheinen „ein geradezu kindliches Vergnügen an der Vervielfältigung von Wörtern und ganz besonders von Substantiven“ zu haben, wie die Wissenschaftler zusammenfassen.

In den frühen Berichten der 1946 gegründeten Weltbank wurden oft spezifische Orte, Projekte, Ausrüstungen, Hilfsmittel und Aktivitäten genannt. Verben wurden sowohl in der Vergangenheitsform als auch im Präsens benutzt. Der Leser erkannte vollendete Aktivitäten und konnte den Fortgang der Entwicklung vergleichen. Diese konkrete Sprache verschwand in den letzten 20 Jahren mehr und mehr. Substantive rückten an die Stelle der Verben – ein klassisches Mittel bürokratischer und totalitärer Sprache -, was dazu führte, dass die handelnden Subjekte aus dem Satz genommen werden konnten wie auch die Frage nach den Verantwortlichen.
„Banksprech“ schenkt uns auch Wörter wie „governance“. Das Wort bedeutet schlicht und ergreifend Kontrolle, wird aber von einem Weltbank-Beschäftigten mit „Es ist das Gegenteil von Korruption“ erklärt. „Governance“ kann im Gegensatz zu „government“ also nur gut sein. Eine deutliche Neigung zur Eindimensionalität und eines der Probleme der politischen Sprache.
Auch kommt es im Bankspeak zu einer Häufung von Abkürzungswörtern, die sich durch die Weltbank-Texte ziehen: „Nicht bloß die UN, IMF, WTO oder FAO, sondern auch COSO (Committee of Sponsoring Organisations), FASB (Financial Accounting Standard Board), PRSP (Poverty Reduction Strategy Papers) und so weiter ad libitum – bis dorthin wo Raum und Ort komplett transzendiert werden.“ Abkürzungshasser wie Hans Magnus Enzensberger wittert ja hinter all den postmodernen Akronymen eine Verblödungsstrategie – ich jetzt auch.

 

Christine Wolter

Written by norak