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Informationszeitalter

Informationszeitalter

Eltern müssen anstrengend und doof sein

Flutwellen von Informationen landen tagtäglich über diverse Datenautobahnen direkt vor unserer Nase. Hinzu kommen die Stimmen aus Radio und TV, vielleicht lesen wir eine Zeitung  – oder gar ein Buch (!) – , Werbeplakate finden geschickt Einzug in unser Unterbewusstsein und längst schon wissen wir, dass das menschliche Gehirn diese Berge von Informationen in keinster Weise verarbeiten kann. Unser Geist ist schlichtweg überfordert und muss kontinuierlich selektieren, um nicht heiß zu laufen und zu explodieren. Noch nie, heißt es, waren wir so gut informiert wie heute. Sind wir das?
Dass wir wissen, was unsere facebook-“Freunde“ zum Abendessen verkosten („Jetzt! Pizza!“), ist -  na ja – marginal wichtig. Dass der eine oder andere „Jetzt! Cocktail!“ postet, kann nur für jene Person von Bedeutung sein, die davon ausgegangen ist, dass das Meeting im Büro länger dauert. Nachrichten von der jüngsten whats-app-Generation wie „ich gehe jetzt los zur Schule!“ – „ich auch!“ – „ich auch!“ müssen uns Erwachsene dazu verpflichten, anstrengende und doofe Eltern zu werden, die ihrem Nachwuchs unermüdlich erklären, wozu Messenger-Dienste tatsächlich nützlich sind und ab wann sie wertvolle Lebenszeit rauben („Hast du dir die Zähne schon geputzt?“ „Nee, ich musste noch Nele schreiben, dass ich mich gerade angezogen habe.“) Gut. Wir alle kennen diese Situationen aus unserem Smartphone-Familien-Leben.
Auf der anderen Seite erreichen uns Dank der bereits zitierten Datenautobahnen aktuelle Bilder und Nachrichten aus aller Welt – teilweise in Echtzeit – , die noch vor dem bedeutsamen Einzug des digitalen Zeitalters entweder mit Verspätung oder gar nicht publik wurden. Handy-Videos und -Bilder, Sprachnachrichten aus Krisengebieten, peinliche Auftritte peinlicher Politiker, auf immer und ewig im Netz festgehalten und nicht zu löschen. Aussagen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt waren, bohren sich durch sämtliche soziale Netzwerke und oft weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Ja, nun sind wir informiert. Und es scheint unsere Aufgabe zu sein, ein Gefühl dafür zu entwickeln, welchen Informationen ein tatsächlicher Wahrheitsgehalt zu Grunde liegt und welche Informationen schlichtweg falsch, erfunden und erlogen oder sogar – und hier wird es kompliziert – richtig sind, aber manipulativ und medientechnisch aufpoliert eingesetzt werden, um überaus fragliche Ziele zu erreichen. Uns ist klar: Es wird nicht einfacher. Was wir einst nicht für möglich gehalten haben, ist heute Realität, im Handling hochkompliziert und bedarf einer ständigen Überprüfung aufgenommener Inhalte. Können wir das? Nein. Aber wir müssen es lernen. Schnell.

 

Christine Wolter

Written by norak