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Weihnachten

Weihnachten

Friede auf Erden?

Was soll ich schreiben in einem Blog kurz vor Weihnachten, der im weitesten Sinne mit Sprache und Übersetzung zu tun haben soll? Sollte ich über die Weihnachtsgeschichte schreiben? Über traditionelle Weihnachtslieder? Buchtipps? Krippenspiele? Weihnachtsgedichte? Wir wissen: Weihnachten ist voll von Sprache. Doch angesichts dessen, was gestern in Berlin passiert ist, kann ich nicht über „Frohe Weihnachten“ schreiben. Wie erstarrt saßen gestern Abend Hunderttausende, wohl eher Millionen, vor dem Fernseher und erschauerten. Da ist ein Mensch mit kranken Gedanken im Kopf in eine Menschenmenge gefahren. Mitten rein. Mit einem Sattelschlepper. Und jetzt gibt es Tote und Verletzte. So kurz vor Weihnachten. Da fehlen einem die Worte. „Es rückt immer näher“. Das sind die Worte, die man hört. Immer näher. Doch eigentlich ist es schon da. Auch in Berlin sieht man jetzt Blumen und Kerzen, die im Morgengrauen an das erinnern, was gestern Abend passiert ist. Und es sind keine Weihnachtskerzen.
Wie jeder zweite fühle auch ich mich dieser Tage gestresst. Einkäufe, Geschenke, Weihnachtsfeiern, Proben, Baum kaufen, Baum schmücken, Weihnachtsmailing … . Die Kette der „ich muss noch“ hört nicht auf. Wie gut wäre es, wenn die Welt diese „Musts“ abschütteln würde. Einmal kurz nachgedacht, können die Gedanken zu angeblich notwendigen Geschenke-Bergen sowieso nicht zusammen gebracht werden mit dem, was wir leben. Und so bringe ich auch keinen Blog zu sprachlichen Phänomenen zur Weihnachtszeit zusammen mit dem, was ich gestern erfahren habe. Ein „Frohe Weihnachten“ ist schwer herauszubringen. Aber ein „Friedliche Weihnachten“. Das ist der Welt zu wünschen. Können Wünsche, die seit Jahrhunderten sprachlich manifestiert sind, adaptiert werden an das, was gerade ist? Die Familien der Toten werden dieses Jahr keine frohe Weihnachten haben. Denen ist von ganzem Herzen Trost und Kraft zu wünschen, um das Geschehene auch nur annähernd aushalten zu können. Also vielleicht ein „Friedliche Weihnachten, Kraft, Nächstenliebe und Trost. Das wünsche ich dir.“

 

Christine Wolter

Written by norak