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Jugendwort 2016

Jugendwort 2016

Ein Jahreswort, das keiner kennt

Manchmal fragt man sich, warum der Langenscheidt-Verlag die immer gleiche Werbe-Aktion für sein Jugendwörterbuch durchzieht. Jedes Jahr wird zum Voting um das Jugendwort aufgerufen, jedes Jahr werden Begriffe vorgeschlagen, die kaum jemand kennt, jedes Jahr reagiert die Öffentlichkeit mit Stirnrunzeln oder der einfachen Frage „Bitte was?“ auf das Siegerwort. Denn den Medaillenträger kennt dann oftmals keiner mehr. Und in den letzten Jahren wurde es noch fragwürdiger: Die Begriffe, die per Online-Voting zum Jugendwort des Jahres gewählt wurden, haben es letztendlich gar nicht auf das Siegertreppchen geschafft, weil der Verlag Einwände dagegen hatte. Zu unkreativ, zu alkohol-verherrlichend, zu viel Adjektiv, zu wenig Verb … .
Auch in diesem Jahr standen 30 Begriffe zur Auswahl, die zeigen sollen, wie Jugendliche heute sprechen. Den ersten Platz erreichte der Begriff „fly sein“, der bei einer zuvor durchgeführten Online-Abstimmung auf schlappe 4,4 Prozent kam. Vorne lag mit immerhin 20 Prozent der Begriff “isso” als Zustimmung oder Unterstreichung von etwas, gefolgt von “Vollpfostenantenne” als Bezeichnung für einen Selfiestick mit knapp 13 Prozent, “Hopfensmoothie” (11 Prozent) für Bier, “Bambusleitung” für eine schlechte Internetverbindung, “Tintling” (knapp 10 Prozent) für einen Tätowierten und dem Begriff “Tindergarten” (knapp 9 Prozent), der eine Sammlung von Kontakten beim Online-Dating bezeichnen soll. Doch „fly sein“ hat trotz schlechter Voting-Ergebnisse das Rennen gemacht. Der Begriff „isso“ sei zu unkreativ und der „Hopfensmoothie“ stehe dem Alkohol zu nahe, meint der Verlag, greift flugs in die Kiste und zieht „fly sein“ hervor. Dass bei diesem Begriff sofort „high sein“ assoziiert wird und der Gedanke an Drogenkonsum die Bühne betritt, wurde in den ehrwürdigen Verlagskreisen scheinbar übersehen.“fly sein“ bedeutet soviel wie „besonders abgehen“. Im Sprachgebrauch findet man dieses Wort noch nicht, aber nur darum ginge es auch nicht, sagt Langenscheidt. Es ginge auch um „sprachliche Kreativität, Originalität sowie gesellschaftliche und kulturelle Ereignisse“. Eben.  

Written by norak