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Hör auf die Stimme

Hör auf die Stimme

Kopf und Bauch – The never ending story

Die Gruppe EFF (Felix Jaehn und Mark Forster) singt es laut und deutlich und alle singen mit: „Hör auf die Stimme, hör was sie sagt. Sie war immer da, komm, hör auf ihren Rat.“ Auf welcher Sprache spricht unsere innere Stimme mit uns? Manchmal sollte man meinen, sie spräche auf einer uns unbekannten Sprache, einer Fremdsprache eben. Denn wir hören nicht auf sie. Sie spricht und spricht, rauscht aber an uns vorbei wie der Wind und wird oftmals ignoriert. Sicher, sie spricht nicht in Emojis, ploppt nicht auf und kündigt sich auch nicht mit digitalem Vogelgezwitscher an. Sie spricht einfach so. Und da sie nicht als App verfügbar ist, nicht gedownloaded oder gestreamt und somit auch nicht Teil unseres Smartphones oder Tablets werden kann, existiert sie für uns nicht. Auch ein digitales Wörterbuch für die innere Sprache scheint noch nicht verfasst worden zu sein. Denn hier wäre ein Google-Übersetzer eventuell die Brücke zu unserem inneren Selbst. Eine Sackgasse. Irgendwann werden vielleicht die Visitenkarten von Psychologen, Therapeuten und Personal Coaches auch die Berufsbezeichnung „Übersetzer“ tragen. Psychotherapeuten als Übersetzer für die innere Stimme – da fragt man sich unvermittelt, wie die wohl ihr Honorar gestalten würden? Pro Wort oder Zeile wohl eher nicht.

Übrigens schreibe ich diesen August-Blog wie jedes Jahr aus dem Urlaub. Wie immer habe ich mir einen scheinbar suboptimalen Ort gesucht (hier ist es laut, viele Menschen, ständig fragt man mich was) und genieße den mir selbst verschriebenen Standortwechsel. À propos verschrieben: Mein Kind ist leider in den Ferien krank geworden. Das Kranksein zog sich hin, wirklich gesund wurde sie nicht. Besuche beim Kinderarzt (nervig, nervig, nervig) haben nichts ergeben („Das ist halt ein Infekt“). Meine innere Stimme sagte mir, ich solle nicht locker lassen (die Stimme vom Kinderarzt sagte mehr oder weniger, ich sei eine überspannte Mutter). Nur soviel: Ich habe meiner inneren Stimme vertraut, habe den Arzt gewechselt und gerade den Befund bekommen. Zum Glück. Ohne diesen Befund hätte ich sehr viel falsch machen können. Anscheinend kann ich sie hören und übersetzen diese innere Stimme. Und anders als die rund 35 Jahre jüngeren Menschen um mich herum, kommuniziere ich nicht mit meinem Tablet. Ich habe großes Glück.

Christine Wolter

Written by norak