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Kommunikation zukünftig

Kommunikation zukünftig

Auch, wenn ich Gefahr laufe, mich zu wiederholen: Ich mache mir Sorgen um unsere Kommunikation. Jetzt wird sich manch einer, der mich noch nicht kennt, fragen: Warum? Wir kommunizieren mehr denn je! Alles paletti! Nee, lieber Freund, nichts ist paletti. Wir müssen nur einmal die Augen aufmachen, um zu sehen, dass es unserer Kommunikation nicht gut geht. So, wie man die Augen aufmachen muss, wenn Kinder zu häufig über Bauchschmerzen klagen, ohne, dass der Bauch wirklich krank ist.

Wenn Gespräche ohne gleichzeitiger Betätigung irgendeines High-Tech-Gerätes nicht mehr stattfinden, wenn selbst Eltern maulen, weil die Handys während der Klassenreise zu Hause bleiben sollen, wenn die zum Teil wie ein stotternder Motor klingenden, mit Lauten aus Zeichentrickfilmen versehenen Sätze der Jugendlichen keinen Sinn mehr ergeben – weil einfach kein Sinn vorhanden ist -, wenn das geschriebene Wort in Schulen, Universitäten und Unternehmen entweder a) nicht entziffert werden kann, b) nicht verstanden werden kann oder b) sich als Plagiat erweist, wenn sich Kinder, Jugendliche, Menschen verabreden, um anschließend in trauter Runde am Tablett und Smartphone zu hantieren …. dann, ja dann … dann darf ich mir Sorgen machen. Einst gingen Mädchen im Teenager-Alter rüber zu ihrer besten Freundin, um sich über Eltern, Lehrer und den blöden Typen drei Straßen weiter zu beschweren. Heute versenden sie kurzgehaltene Sprach-Nachrichten. Einst wurden Spaziergänge, sogar Wanderungen gemacht, bei denen sich Verliebte, Entliebte, Verwandte oder Verschwägerte über das Leben und über seelische Freuden und Schmerzen austauschten. Es wurden Briefe geschrieben, die es Wert waren, ein Leben lang, und darüber hinaus, aufbewahrt zu werden. Es wurde gesprochen und es wurde zugehört. Und man wusste gut Bescheid über den anderen, denn er wusste sich auszudrücken und einen Teil seines Selbst all jenen, die zuhören durften (und keiner Pseudo-Freunde-Facebook-Gemeinde angehörten), mitzuteilen. Ganz ohne Zeichentricklaute.

Reden tut ja bekanntlich der Seele gut. Vielleicht gäbe es weniger Bauchschmerzen, wenn es unserer Kommunikation wieder besser ginge.

Christine Wolter | staatl. gepr. Übersetzerin/Dolmetscherin & Texterin

Written by norak