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Shakespeare-Übersetzer Frank Günther

Shakespeare-Übersetzer Frank Günther

Übersetzen ist wie Dichten … bloß schwieriger
Der Todestag von William Shakespeare jährt sich in diesem Jahr zum 400. Mal. Für den Radiosender Bayern 2 war dies Anlass genug, um ein wirklich spannendes Interview mit dem großartigen Shakespeare-Übersetzer Frank Günther auszustrahlen. Übersetzer und Nicht-Übersetzer können in dieser Interview-Stunde eintauchen in den Facettenreichtum und enormen Anspruch der Sprachmittler-Tätigkeit, in Shakespeares Sprachwunderwelt, seine Theaterwelt und in eine ganz wundersame Dichter-Übersetzer-Beziehung. Denn Frank Günther ist so sehr mit Shakespeare verwoben, dass er ihn scheinbar nie abschütteln kann und ihn humorvoll als „schwulen Wegbegleiter“ beschreibt. Er sieht sich in seiner Übersetzer-Rolle als ständig Mitreisender der Shakespeare-Figuren; er habe „einfach viel zu tun“ und empfinde das Nachdenken über die Umsetzung der Reime in deutsche Lyrik als „Quälerei“. Besonders der Hamlet sei voll von Witzen und Doppeldeutigkeiten, die im Deutschen neu erfunden werden müssen. Mit einem ganz eigenen Sprachduktus. Hinzu kommt, dass Günther in eine zu sprechende Sprache übersetzt und nicht in eine zu lesende. Hier müssen Ober- und Untertöne beachtet werden und Günther selbst berichtet, dass er beim Übersetzen alle Stücke spiele. Das Interview enthält verschiedene von Günther gesprochene Shakespeare-Passagen und man spürt sofort, wie nah dem Übersetzer die Theaterwelt ist. Insbesondere die Theaterwelt zu Zeiten Shakespeares. Dabei hat er zunächst nicht als Shakespeare-Experte sondern als überzeugter Donaldist die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Er gewinnt bei einem Mickey-Mouse-Schreibwettbewerb den 1. Preis und darf als Zwölfjähriger nach New York. Der Preis wird ihm von der Übersetzerin der Donald-Duck-Texte überreicht, die er Jahrzehnte später als seine erste Sprachlehrerin beschreibt. So kann es kommen im Leben. Auch berichtet er, dass er „gezwungen“ wurde, Shakespeare zu übersetzen. Ein Kölner Theaterverlag ließ nicht locker und so hat Günther im Laufe der vielen arbeitsreichen Jahre als Erster alle Werke Shakespeares alleine ins Deutsche übertragen. Eins fehlt noch, aber das ist auch bald fertig übersetzt.
Und dann? „Dann packe ich alles in große Kartons, verstecke sie und gehe auf Weltreise. Und werde irgendwann, wie es alle tun, verschwinden.“ Und der Rest ist Schweigen.

Christine Wolter | staatl. gepr. Übersetzerin/Dolmetscherin & Texterin

Written by norak