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Singen im Chor

Singen im Chor

Mehr geht nicht

Wer singt, tut etwas für Körper, Seele und Geist. Atmung und Blutdruck regulieren sich, Glücks-Hormone werden freigesetzt, Rhythmik, Melodie und Text bringen Gehirnaktivität und Motorik in Wallungen. Dies alles weiß auch Moritz, 6 Jahre, der seit 1 Jahr in einem Kinderchor singt: „Wenn wir singen, werden kalte Hände warm, Bauchschmerzen gehen weg und traurig ist man dann auch nicht mehr.“ Der kleine Sänger weiß also gut Bescheid über die positiven Auswirkungen des Singens. Auch die Dunkelheit mache ihm nicht mehr so zu schaffen, sagt er, bevor er mit seiner Capt’n Sharky-Trinkflasche im Probensaal verschwindet.

Singen im Chor ist gemeinsames musikalisches Erleben ohne Profilierungssucht und angestrebter Solo-Karriere. In einer Zeit, in der es viel zu oft um Alleinstellungsmerkmale und technische High-End-Lösungen geht, machen junge Menschen in Chören die Erfahrung, dass Singen in der Gruppe die Seele stärkt und die gesungenen Lieder das Publikum erreichen. Oftmals ohne großes Equipment und ohne technische Raffinessen. Einfach so. Das ist 100% unplugged und konsequent nachhaltig. Singen im Chor setzt voraus, dass die Sänger aufeinander hören, sie treffen sich im Takt und in der Melodie und nehmen zusammen die musikalische Welle; denn sie wissen: „Gemeinsam sind und klingen wir stark“. Diese Art der musikalischen Erfahrung stärkt das Selbstbewusstsein der jungen Sänger und lässt neben dem Erleben klangvoller Höhenflüge auch so manches Referat in der Schule leichter über die Lippen kommen. So hat Anne, 11 Jahre, die Erfahrung gemacht, dass das Singen im Chor zu besseren Noten im mündlichen Unterricht geführt hat. „Beim Singen entdeckt man oft erst seine Stimme. Unsere Stimm- und Rhythmus-Übungen bringen viel Spaß und man wundert sich, was die eigene Stimme so alles kann. Und wenn du es irgendwann geschafft hast, ein Solo vor 300 Leuten zu singen, fällt das Reden vor der Klasse nicht mehr so schwer.“ Einfaches Singen im Zeitalter der Smartphones und der mit Blitzgewitter und Nebel ausgestatteten Bühnenshows, die bereits 8-jährige in den Arenen zum Kreischen bringen – da wundert man sich, dass es in der Musiklandschaft noch so viele aktive Jugendchöre gibt. Oder man wundert sich eben nicht – denn die positiven Einflüsse des Singens liegen klar auf der Hand. Und wer Moritz beim „Wut-Lied“ beobachtet, erkennt schnell auch die emotionale und befreiende Seite des Singens. Mehr geht nicht.

 Christine Wolter | staatl. gepr. Übersetzerin/Dolmetscherin & Texterin

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