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Wort des Jahres 2015

Wort des Jahres 2015

Und immer wieder grüßt das Murmeltier (II)

Leser dieses Blogs wissen, dass ich Spaß daran habe, die jährlich stattfindenden Wahlen aller möglichen Wortbereiche zu verfolgen. Und nachdem es dieses Jahr mit dem Jugendwort des Jahres  nicht so recht geklappt hat (niemand kennt es, auch nicht die Jugendlichen, also braucht es auch nicht erwähnt zu werden), widme ich mich heute dem von der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) gewählten WORT DES JAHRES 2015: Flüchtlinge. Niemand wundert das. Die Jury der GfdS begründet ihre Entscheidung damit, dass dieses Substantiv nicht nur für das beherrschende Thema des Jahres stehe, sondern auch sprachlich interessant sei: „Gebildet aus dem Verb flüchten und dem Ableitungssuffix -ling (›Person, die durch eine Eigenschaft oder ein Merkmal charakterisiert ist‹), klingt Flüchtling für sprachsensible Ohren tendenziell abschätzig: Analoge Bildungen wie Eindringling, Emporkömmling oder Schreiberling sind negativ konnotiert, andere wie Prüfling, Lehrling, Findling, Sträfling oder Schützling haben eine deutlich passive Komponente. Neuerdings ist daher öfters alternativ von Geflüchteten die Rede. Ob sich dieser Ausdruck im allgemeinen Sprachgebrauch durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.“ Sehen wir also mal, was das Jahr 2016 so mit sich bringt und ob das Ableitungssuffix -ling auf der Strecke bleibt.  Auf Platz 2 wählte die Jury Je suis Charlie (›Ich bin Charlie‹): „Mit dem französischen Zitat oder mit Übersetzungen – auf Deutsch zudem in Abwandlungen wie Auch ich bin Charlie oder Ich bin auch Charlie – brachten weltweit Millionen von Menschen ihre Solidarität mit den Opfern zum Ausdruck und demonstrierten für die Pressefreiheit und gegen religiösen Fanatismus.“ Dieses Zitat  war mein persönlicher Favorit. Aber ich kann mich auch, glaub ich, mit dem zweiten Platz zufrieden geben. Platz 3 erreichte die Wortkreuzung Grexit, welche bereits 2011 von dem Volkswirt Ebrahim Rahbari geprägt wurde und an das Topthema der ersten Jahreshälfte erinnert: Die wochenlang schwelende Frage, ob Griechenland aufgrund seiner hohen Staatsverschuldung aus der Eurozone ausscheiden müsse (Greek = griechisch; Exit = Ausgang, Ausstieg). Die weiteren Plätze wurden belegt durch:
Selektorenliste
Mogel-Motor
durchwinken
Selfie-Stab
Schummel-WM
Flexitarier
Wir schaffen das!
Möge sich jeder an die dazugehörige Geschichte zurückerinnern!
In diesem Sinne: Alles Gute für 2016!

Christine Wolter | staatl. gepr. Übersetzerin/Dolmetscherin & Texterin

 

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