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Die Weihnachtsgeschichte

Die Weihnachtsgeschichte

Alt und neu

Gemäß Wikipedia bezeichnet man „als Weihnachtsgeschichte […] die Erzählungen im Neuen Testament zur Geburt Jesu von Nazaret. Im engeren Sinn ist damit der Textabschnitt LK 2,1–20 EU gemeint, der traditionell im christlichen Weihnachtsgottesdienst verlesen wird. Im weiteren Sinn sind alle Texte zur Kindheitsgeschichte oder Vorgeschichte Jesu im Matthäusevangelium und Lukasevangelium gemeint.“ Diese Geschichte wird uns um 24.12. wieder in Krippenspielen, Weihnachtskrippen und Weihnachtsfilmen gezeigt. Bei manch einem bewegen sich schon die Lippen, wenn der Text gelesen oder gesprochen wird. Ähnlich wie bei den Kindern, die ganze Hörspiel-Geschichten mitsprechen und damit beweisen, dass sie eine Doppel-CD komplett auswendig können. Doch noch nie habe ich bei Weihnachtsfeiern und Adventskonzerten so viele abgewandelte, aktualisierte und ins Komische gehende Weihnachtsgeschichten gehört wie in diesem Jahr. Eine Parallel-Geschichte über einer Flüchtlingsfamilie ist da nur ein Beispiel und sicherlich auch nachvollziehbar. Jesus und Maria damals, eine Flüchtlingsfamilie mit einer schwangeren Frau heute. Die Herberge damals und das Flüchtlingslager heute. Die Geschenke der Könige damals, die Willkommenspakete heute. Usw. usw. usw.. Die Geschichte ist komplett übertragbar. Als ich dieser Geschichte bei einem Adventskonzert lauschte war deutlich spürbar, dass niemand der Anwesenden wirklich schmunzeln konnte. So, wie die Geschichte konzipiert und angelegt war, sollte sie zum Schmunzeln anregen, aber ich denke, angesichts der Ernsthaftigkeit des tatsächlichen Hintergrundes – damals wie heute – regten sich in uns Zuhörern andere Gefühle und wir konnten der Übertragung in die Aktualität nur schwer folgen. Das wird nichts oder nur wenig mit dem Respekt biblischer Texte gegenüber zu tun haben, ich denke, hier sprach der Respekt gegenüber all den Menschen, die irgendwann in der Menschheitsgeschichte Hunger, Flucht und Todesangst erlebt haben. Und das ist nicht zum Schmunzeln. Das konnte mir sogar ein Krippenspiel von Vorschülern zeigen, die mit Stolz, Klarheit und teilweise ein bisschen zu leiser, aber auch manchmal kräftiger Stimme erzählt und gezeigt haben, wie es damals war. Da wurde mir das erste Mal in diesem Jahr ein bisschen weihnachtlich zumute – und ich musste lächeln.

Christine Wolter | staatl. gepr. Übersetzerin/Dolmetscherin & Texterin

 

 

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