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Blogs Heute

Blogs Heute

Das unauffindbare Thema

In Gesprächen mit Kollegen-Bloggern höre ich seit einigen Monaten deutlich heraus, dass themenspezifische Aufträge in diesen Tag schwer zu realisieren sind. Viele Blogger verstehen sich als Darsteller aktueller Szenarien, als Verfasser eines Logbuches im Web, spontaner Gedanken und Spiegelungen des Alltags. Auf dieser Seite geht es im weitesten Sinne um Sprache und Übersetzung. Welches Werk wurde neu übersetzt? Was passiert beim Fremdsprachenlernen? Welche Techniken benötigt das Simultandolmetschen? In welchem Zusammenhang stehen Denken und Sprache? Wie erlernen Kinder ihre Muttersprache? Was beeinflusst Sprache? … usw. usw.. In dieser unserer Welt passieren ständig unzählige Dinge, die uns über die verschiedensten Informationskanäle erreichen. Noch nie wurde so vielseitig informiert wie heute. Leider können wir nicht sagen, dass wir noch nie so gut informiert waren wie heute. Doch wir sind informiert, wir reden, wir posten, wir chaten, wir simsen und whatsAppen. Und bewegen Aktualität in unserem Kopf. Also versuchen Blogger, die Themengebiete ihrer Auftraggeber in die Themen unserer Zeit einzubauen. Denn Blogs beinhalten auch und vor allem gedankliche Spontaneität und da ist aktuelles Zeitgeschehen nicht mehr herauszuhalten. Wir sehen Videoaufzeichnungen von Flüchtlingen auf ihrer Reise, wir hören Menschen zu, die Zeugen der Attentate von Paris waren und wir erfahren stündlich mehr von den Lebensbedingungen der Flüchtlingskinder in Deutschland. Mich als Hamburger Deern bewegt noch der Tod von Helmut Schmidt und die Frage nach Olympia 2024 (eine Frage, die sich glücklicherweise erledigt hat). Und ich gebe zu: Von einer Neu-Übersetzung eines bereits übersetzten Klassikers zu schreiben, fällt mir schwer. Aber von Sprache und Übersetzung in unserem Alltag zu schreiben, fällt mir leicht. Dolmetscher in Behörden und auf Bahnhöfen, Übersetzer in Presse-Agenturen, beim Fernsehen und in Zeitungsverlagen. Deutschlehrer in Flüchtlingslagern, Schulen und Kindergärten. Sprache wird verlangt, erst die  Übersetzungen ermöglichen Kommunikation. Und während dieser Zeilen entsteht vor mir das Bild zahlreicher Flüchtlingskinder, die auf die Frage, was sie sich von ihren ersten Monaten in Deutschland am meisten erhoffen, alle dasselbe antworten: Deutsch lernen und studieren. Chapeau!

Christine Wolter | staatl. gepr. Übersetzerin/Dolmetscherin & Texterin

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