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Vielseitigkeit Dolmetschen

Vielseitigkeit Dolmetschen

Langeweile gibt’s hier nicht

Eine bunte Woche liegt hinter mir. Sechs Tage verbrachte ich im steten Wechsel zwischen Konferenzräumen, Hörsälen, Bauplätzen und Restaurants. Wie es der Zufall wollte, fielen zwei meiner Spezialisierungen in einer Woche zusammen und ich hatte die herausfordernde aber auch spannende Möglichkeit, zwischen ordentlichem Hosenanzug und wasserdichten Sicherheitsschuhen hin und her zu wechseln. Im Kofferraum meines Autos lagerten Matsch-Stiefel, Regenjacken und Wollmützen; auf der Rückbank Pumps, Blazer und Wasserflaschen. Hätte mein Auto bei einem Quiz rund ums Beruferaten mitgemacht, wäre wohl kaum jemand auf „Dolmetscherin“ gekommen. Zumal Unterlagen über Kolben- und Schneckenpumpen den Beifahrersitz schmückten. Sofern Dolmetscher nicht nur auf einen bestimmten Themenbereich spezialisiert sind – was häufig sinnvoll und auch notwendig ist, denn nur so ist absolute Professionalität garantiert – kann es uns passieren, „bunte Wochen“ zu verbringen. Und wie ich jüngst am Übersetzer-Stammtisch erfahren konnte, sind sich fast alle Dolmetscher bezüglich einer Aussage einig: Genau das macht unseren beruflichen Reichtum aus. Wir tauchen ein paar Stunden lang in andere Welten ein, durchforsten diese sprachlich und lernen Menschen aus unterschiedlichsten Branchen kennen. Wie ein Chamäleon passen wir uns den jeweiligen Situationen, Stimmungen, Örtlichkeiten und Gruppenkonstellationen an. Wir treffen schillernde Stars im Interview, lernen Behörden aus anderer Perspektive kennen, erfahren die wahren Hintergründe historischer Gräueltaten und lernen nebenbei Dinge, für die wir uns ohne diese Aufträge nie interessiert hätten. Kommt es zwischen den Gesprächspartnern am Ende einer Verhandlung dann zum übereinstimmenden Händedruck, sind wir zufrieden und gehen zwar erschöpft, aber mit einem guten Gefühl nach Hause. Gut, ich gebe zu: Das klingt jetzt alles sehr blumig. Die andere Seite ist zweifellos die oft schlechte Bezahlung, die wirklich harte Arbeit, die von Kunden meist unterschätzte Zeit der vorangehenden Recherche usw. usw.. Doch über diese Punkte haben wir an dieser Stelle bereits mehrmals geschrieben und sicherlich existiert hier auch noch immer großer Handlungsbedarf. Und um mit dem Lieblingswort 7-jähriger Kinder fortzufahren: Trotzdem … Trotzdem ist dieser Beruf durch seine Vielseitigkeit mit unermesslichen Reichtümern gespickt. Wenn auch nicht monetär. Daran gilt es zu arbeiten.

Christine Wolter | staatl. gepr. Übersetzerin/Dolmetscherin & Texterin

 

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