twitterfacebookgooglexinglinkedin

Jahreswörter

Jahreswörter

Wörter, Unwörter, Jugendwörter

Wie jedes Jahr werden in den Monaten November und Dezember Wörter prämiert. Begriffe, die uns durch das zurückliegende Jahr begleitet haben und aus gesellschaftspolitischen oder auch nur humoristischen Gründen Ranglisten-Niveau erlangt haben. Sinn und Zweck dieser Aktionen werden häufig hinterfragt. Bei dem einen ist der werbetechnische Background leicht zu durchschauen – hier hat mir die Homepage des entsprechenden Verlages aufgrund markanter grammatikalischer Fehler einen ganz schönen Schrecken eingejagt -, bei dem anderen weiß man, dass Sprache mittels solcher Aktionen einfach mal wieder eine öffentliche Plattform erhalten soll. Meiner Meinung nach, dürfen diese Wortwahlen schlicht und ergreifend Spaß machen. Wir schmunzeln zur Zeit ja eh viel zu selten, da können Tagesnachrichten gerne ein bisschen aufgepeppt werden. Über die Wahl zum Jugendwort des Jahres wurde an dieser Stelle bereits berichtet. Am 13.11. wissen wir, ob „merkeln“, „rumoxidieren“ oder „Smombie“ als Sieger hervorgehen. Beim Unwort des Jahres können noch bis zum 31.12. von allen Bürgern und Bürgerinnen Vorschläge eingeschickt werden (vorschlaege@unwortdesjahres.net). Ziel dieser Aktion ist „…ein sensiblerer Umgang mit Sprache in der öffentlichen Diskussion. Sie lenkt den Blick auf sachlich unangemessene oder inhumane Formulierungen im öffentlichen Sprachgebrauch, um damit zu alltäglicher sprachkritischer Reflexion aufzufordern.“ Ein großes Vorhaben. Seit 1971 existiert übrigens die Wahl zum einfachen „Wort des Jahres“. Im Gründungsjahr stieg das gewagte Wort „aufmüpfig“ aufs Treppchen, 1977 der damals ungemein hippe Begriff „Szene“. Liest man die Gesamtübersicht der letzten Jahre, zeigt sich die Geschichte Deutschlands und Europas mit Jahreswörtern wie „konspirative Wohnung“, „Holocaust“, „Ellenbogengesellschaft“ und „Tschernobyl“. Eine sehr zu empfehlende Orientierungshilfe, wenn die letzten 45 Jahre zusammengefasst werden sollen. Manchmal kommt es auch zur „Satzwahl des Jahres“. „Mir fehlte das Fingerspitzengefühl“ erreichte 2012 den ersten Platz. Wer von euch kommt auf den Namen des Urhebers und den entsprechenden Kontext? Daraus kann man ein witziges Spiel für lange Herbstabende machen! Und sich sprachlich ganz nebenbei reflektieren. Glaub ich.

Christine Wolter | staatl. gepr. Übersetzerin/Dolmetscherin & Texterin

Written by editor