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Stimmbildung

Stimmbildung

Des Dolmetschers zweitwichtigstes Gut

Jetzt im Herbst treten wir ein in die alljährlich wiederkehrende Epoche der Erkältungen. Halskratzen, Schnupfen, Husten, da kann die Stimme schon mal rau werden. Für Dolmetscher ist es, ähnlich wie für Sänger und Schauspieler, jetzt besonders wichtig, gut zu Hals und Stimme zu sein. Die Stimme ist unser Kapital. Ob Simultan- oder Konferenzdolmetschen – eine klare, gut klingende und angenehme Stimme ist wichtig. Die Anforderungen an die Stimmbänder sind oft hoch und führen zum ständigen Räuspern, Schlucken und einem trockenen Hals. Beim Simultandolmetschen ist uns der Schluck Wasser nicht vergönnt und die Luft in der engen Kabine wird dünn und trocken. Unsere Stimme muss also möglichst bereits vor dem ersten Einsatz gut einbalsamiert und fit sein. Um das sicherzustellen, sollten auch Dolmetscher Kurse für Stimmbildung und Stimmhygiene besuchen. Oft sind es einfache Techniken, die ein Durchhalten der Stimme ermöglichen. Ein gezieltes Training, angepasst an die spezielle Situation des Dolmetschers, kann vorbeugend dem Entstehen von Stimmproblemen und -störungen entgegenwirken und die eigene Stimmfunktion verbessern. Ein besonders wichtiger Punkt ist hierbei die Atmung. Oft liest man, dass wir alle im Prinzip falsch atmen. Zu flach zu, zu schnell, zu verkrampft. So kommt es, dass sich Dolmetscher für ein Stimmbildungs-Seminar in Jogginghose und Schlabberpulli werfen und die Bauchatmung trainieren oder in eigenwilligen Körperhaltungen Gedichte aus der Schulzeit vortragen. Man lernt, „auf dem Atem“ zu sprechen und sich mit einem Warm Up auf den Einsatz vorzubereiten. Leider habe ich noch nie gesehen, wie sich  Kabinendolmetscher 15 Minuten vor Konferenzbeginn im Kreis aufstellen und sich und ihre Stimme aufwärmen. Eigentlich schade. Das würde sicherlich die allgemeine Stimmung auflockern und damit auch die Stimme. Mir persönlich ist ja neben meinen Stimmübungen auch immer der Inhalt meiner Handtasche wichtig. Ohne einem beachtlichen Sortiment an Lutschtabletten und Wasserflaschen gehe ich nicht aus dem Haus. Nervennahrung in Form von Schokoriegeln – leider schlecht für die Stimme – ist immer dabei und der nur halbwegs gut schmeckende Ingwer-Tee im viel zu großen To-Go-Becher muss auch noch in den Beutel gestopft werden. Und nach der Kabine zehn Runden um den Sportplatz. Das braucht dann nicht nur die Stimme.

Christine Wolter | staatl. gepr. Übersetzerin/Dolmetscherin & Texterin

 

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