twitterfacebookgooglexinglinkedin

Kurz und knapp

Kurz und knapp

Vermeidung von Missverständnissen

So, ich muss heute mal ein bisschen ausholen. Zur Zeit beschäftige ich mich mit Kinderbüchern für Erst- bis Drittklässler, die von Hexen, Mädchenbanden und Baumhäusern handeln. Manche fügen am Ende eines jeden Kapitels kurze Zusammenfassungen mit Fragen zum Inhalt an. Einfach und unspektakulär. Und so hilfreich, um Handlungsstränge, Handlungsorte und Personenkonstellationen zu verstehen. Verschiedene Versuche haben bereits gezeigt, dass die kleinen Leser den Abenteuern ihrer Helden so viel besser folgen können und erste sprachliche Experimente wagen. Auch bin ich auf eine Art „Flüchtlingsproblematik-Zusammenfassung“ einer politischen Partei gestoßen, die ähnlich wie die Kinderbuch-Zusammenfassung frei von Emotionen und Vorurteilen alle verwirrenden und fraglichen Gedanken zum Thema Flüchtlinge auf den Punkt bringt. Dieses Schriftstück war eine Wohltat. Es hat mich als Leserin und politisch Interessierte auf den Boden der Tatsachen zurückgebracht. Nach Hunderten von Kolumnen, die dieses aktuelle Thema von allen auch nur denkbaren Seiten beleuchten, war eine knappe Auflistung von sachlichen Tatsachen eine wichtige Orientierungshilfe und guter Wegweiser durch die herrschende Flut von teilweise nicht mehr zu ertragenden Publikationen. Wenn politische Themen derart ausgeschlachtet werden, wie es bei der Flüchtlingsproblematik derzeit der Fall ist, sollte der Weg zur simplen Aufzählung mit Spiegelstrichen immer offen stehen. Die Neuordnung der Gedanken führt zur Neuordnung dessen, was man selber versucht ist, zu sagen oder zu schreiben. Sollte man meinen. Nur die wenigsten Politiker und in der Öffentlichkeit Agierender scheinen diese Zusammenfassungen zu lesen. Denn die Ergebnisse, die man bei Kindern beobachten konnte – gutes Verstehen des Inhaltes und realistische Deutung des Geschehens – beobachtet man nicht bei denen, die sich zum Thema Flüchtlinge auf Politiker-Seite zu Wort melden. Wie gut wäre es, wenn alle involvierten Gruppen, Gremien, Parteien und Organisationen einfach mal emotionslos zusammenfassen würden. Es führt zum besseren Verständnis der aktuellen Situation. Und hoffentlich auch zum besseren Verständnis  für die, die es betrifft. Und es passt auf ein einziges Blatt Papier.

Christine Wolter | staatl. gepr. Übersetzerin/Dolmetscherin & Texterin

 

 

 

Written by editor