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Der Robin Hood der Literaturübersetzer

Der Robin Hood der Literaturübersetzer

Eugen- Helmlé-Preis 2015 für Hinrich Schmidt-Henkel

 

Seit 2005 wird der mit 10.000 Euro dotierte Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis vergeben. Dieses Jahr ging der Preis an Hinrich Schmidt-Henkel, der dem im Jahr 2000 verstorbenen Übersetzer Helmlé viel zu verdanken hat. In seinen jungen, seinen saarländischen Jahren, war Helmlé für Schmidt-Henkel bereits ein intellektueller Ankerpunkt. Man traf sich im Elternhaus Schmidt-Henkels – der Vater war Saarbrücker Germanistik-Professor -, um sich mit denen auszutauschen, für die Literatur Beruf und Passion zugleich war. Hinrich Schmidt-Henkel absolvierte brav ein Lehramtsstudium, liebäugelt jedoch schon lange mit der Übersetzerei. Eugen Helmlé war es, der ihn ermunterte, den Weg zu gehen: „Mach das, du schaffst das.“ Und seine Prophezeiung bewahrheitete sich. Denn heute ist der 55-Jährige selbst einer der wichtigsten literarischen Übersetzer in Deutschland. Er übersetzt aus dem Französischen (Diderot, Echenoz, Guibert, Houellebecq, Viel), dem Norwegischen (Ibsen, Nesbø) und dem Italienischen (Carlotto, Benni). Seine Sprachvirtuosität und seine Fähigkeit, sich in den Klang und die Rhythmik fremder Sprachen einzufühlen, macht ihn zu einem der ganz Großen. Und er setzt sich ebenso kraftvoll für seine Zunft ein, die, so Schmidt-Henkel, zu häufig „mit Hungerlöhnen abgespeist“ werde. Er kämpft als Vorsitzender des Verbandes deutschsprachiger Übersetzer (VdÜ) wie ein Robin Hood der organisierten Übersetzer für seine Kollegen und Kolleginnen. Bei der Preisübergabe bedankte sich Schmidt-Henkel für die erhaltene Inspiration und Ermunterung. Für den Impuls, “das finanziell so wenig einträgliche, geistig aber so erfüllende Übersetzerhandwerk” zu ergreifen. Menschen, die mich kennen, wissen, welche Stelle dieser Geschichte mich zum Nachdenken bringt: Ein echter Experte, der schon im Elternhaus von sprachlicher Leidenschaft mitgerissen wurde, der weiß, wie es geht, der sehr viel arbeitet und trotz Erfolg und Anerkennung immer auch an seine Mitstreiter denkt. Und bei all dem eben doch zu denen gehört, die in einer „wenig einträglichen“ Branche tätig sind. Hoffen wir also, dass Schmidt-Henkels Einsatz für faire Übersetzer-Honorare Früchte trägt. 

 

 

Christine Wolter | staatl. gepr. Übersetzerin/Dolmetscherin & Texterin

 

 

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