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Schulstart Sommer 2015

Schulstart Sommer 2015

Der Ruf nach Dolmetschern

30.000 schulpflichtige Flüchtlinge werden in diesem Jahr alleine in Niedersachsen erwartet. Sie kommen aus Syrien, Afghanistan oder vom Balkan. Und bereits vor dem Start des neuen Schuljahres haben die Lehrer vehement um Hilfe gerufen: Sie benötigen Unterstützung – sie benötigen Dolmetscher und möglichst kleine Lerngruppen, die wiederum die Notwendigkeit von einer höheren Anzahl an Lehrkräften mit sich bringt. Ideen sind vorhanden, doch die Durchführung stockt: Pensionierte Lehrer könnten zum Beispiel zum Einsatz kommen, doch dürfte dies „nur im Einzelfall auf freiwilliger Basis“ und „als Überbrückung“ zu verstehen sein, sagen die Verbände. Warum eigentlich? Vielleicht sieht der eine oder andere ehemalige Lehrer in der Arbeit mit Flüchtlingskinder eine gute Möglichkeit, sich sozial zu engagieren? Sprachlerngruppen kann es doch zur Zeit gar nicht genug geben. Doch die Politik möchte ausschließen, dass sogenannte Parallelstrukturen in Containerdörfern entstehen und fordert, dass die Flüchtlingskinder möglichst rasch als integrierte Schüler in den normalen Klassen sitzen. Das ist ja auch richtig, aber wie viel Zeit erhalten diese traumatisierten Kinder eigentlich, um anzukommen, sich zurechtzufinden und sprachlich auf ein Niveau zu kommen, welches sicherstellt, dass sie Grundlegendes verstehen und sich grundlegend verständlich machen können? Da Sprache immer als zentrale Schlüsselfunktion bei Integrationsprozessen zu sehen ist, hoffe ich nicht, dass hier der Sparfuchs an falscher Stelle zuschnappt. Wir brauchen sprachlich versierte Pädagogen, Dolmetscher, Lehrer und alle anderen, die sich in der Lage fühlen, die deutsche Sprache zu vermitteln. Auf welchem Weg auch immer. Ohne Sprache wird das nichts. Und ich fürchte, die in der Politik ansässigen Bedenkenträger haben auch hier wie immer nur eines: Bedenken. Wie gut, dass es Menschen gibt, die nicht nur an einem der zahlreichen runden Tischen sitzen und Argumente hin – und herschieben, sondern die ihre Talente, Fähigkeiten und Kenntnisse nutzen, um den Flüchtlingskindern in Deutschland eine sprachliche, bildende, tröstende, musikalische oder einfach nur freundliche Hand zu reichen. Und das machen sie  – einfach so.

Christine Wolter | staatl. gepr. Übersetzerin/Dolmetscherin & Texterin

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