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Beim Schreiben zusehen

Beim Schreiben zusehen

Autoren und soziale Netzwerke

Ja, ich gestehe: Soziale Netzwerke sind nicht mein Ding. Und hier gleich die gute Botschaft: Ich überlebe! Nun gehöre ich allerdings auch nicht zu den konsequenten Nicht-Usern. Ich nutze im Rahmen. Ein wenig hier, ein wenig da, immer soviel, wie es für mich und meinen Job gerade passt. Und ich nutze das eine oder andere Profil, um ein bisschen Mäuschen zu spielen. Denn nichts ist spannender, als einem Schriftsteller, einem Drehbuchautor oder einem Lektor bei der Arbeit zusehen zu dürfen.

Wenn einem das Bauchgefühl sagt, dass die Schreiberlinge selbst posten – und nicht ihr Team oder das Management -, und das Geschriebene auch tatsächlich deren emotionalen Zustand oder Schreibtisch-Situation („Chaos“) widerspiegelt, dann kann es ungeheuer interessant sein, durch kurze Statements den Weg zum fertiggestellten Buch ein wenig mitzuverfolgen. Krisen, Höhenflüge, Blockaden, Verlagsärgernisse, Verlagsfreuden, Urlaub, kein Urlaub, Hitze, Schnupfen, Stagnation, Fluss, Protagonisten, Nebenschauplätze, auf Sendung, nicht auf Sendung, Softwareprobleme, Hardwareprobleme, Erscheinungsdatum usw. usw..

Die Themen sind fast so mannigfaltig wie die Inhalte der Bücher, die wir lesen. Und wie schön es ist, den Stolz des Schriftstellers über das fertig redigierte Buch mitzubekommen, das endlich hinaus in die Welt geschickt wird! Einem Maler wird es mit seinem Werk auf einer Vernissage nicht viel anders gehen. Ich habe übrigens auch einmal einen Musiker geliked. Ich glaube, es waren sogar drei, die ich geliked habe. Von denen erreichte mich zwar ein Vielfaches an postings, doch die waren nicht halb so spannend wie die meines mittlerweile heißgeliebten Drehbuchautors, der nur alle zwei Wochen etwas von sich preis gibt.

Im Gegenteil: Diese Flut an Fotos, Konzertdaten und noch mehr Fotos fing ganz schnell an zu nerven und ich musste der Beziehung mit einem „gefällt mir nicht mehr“ ein Ende setzen. Aus, vorbei. So schnell kann das heutzutage gehen. Also, liebe Leute, sucht euch einen Autor und fiebert der Veröffentlichung seines Buches entgegen. Vielleicht stellt sich bei der eventuellen Überreichung des Literatur-Nobelpreises ein leises Gefühl von Stolz in eurem Herzen ein ;-) . 

Christine Wolter | staatl. geprüfte Übersetzerin und Dolmetscherin | Korrektorat & Texte

Written by editor