twitterfacebookgooglexinglinkedin

Ran an die Buletten!

Ran an die Buletten!

Berliner Jargon

Kürzlich traf ich in der Weltstadt Hamburg einen waschechten Berliner, der trotz langer Jahre mit festem Wohnsitz in der Hansestadt sofort als ein Berliner Jung zu erkennen war; denn der Berliner Dialekt rauschte durch jeden seiner Sätze. Da konnte er sich Mühe geben, wie er wollte. Und wenn der Zuhörer diesem etwas schnoddrig wirkenden, für feine Seelen vielleicht sogar derb klingenden Tonfall zugetan ist, dann erwartet ihn ein Gespräch, das gute Laune macht. Denn Berliner mit Berliner Schnauze wirken bei einem zufällig stattfindenden Vier-Augen-Gespräch offenherzig, lebhaft, gut gelaunt und für den kühlen Hanseaten ungemein direkt.

Man kommt immer schnell zum Punkt. Und wer damit umgehen kann, fragt sich sofort, was diese diplomatischen Kreise, die wir immer gerne ziehen, eigentlich sollen, wenn es auch mit einem „Mahn, hör uff mit dit Jeseire!“ geht. Ich als sprachlich Interessierte, tauche natürlich wieder nach diesem wirklich inspirierenden Gespräch sofort im Internet weg, um dem Berliner Jargon ein bisschen nachzufühlen. Und wie immer war ich überrascht von dem Angebot im Netz an Wörterbüchern mit den tatsächlich gebräuchlichen Berliner Ausdrücken und Redewendungen, der immer wieder ausgedrückten Liebe zum Heimatdialekt, mannigfaltigen Hörbeispielen und auch Vokabellisten „für angehende Berliner“, die Reisende mit den wichtigsten Begriffen ausstatten und Berlinerisch-Anfängern die „Oogen“ öffnen sollen.

Sprachwissenschaftlich betrachtet ist das Berlinerisch kein Dialekt, sondern ein „Metrolekt“, eine „in großstädtischen Zentren aus einer Mischung vieler unterschiedlicher Mundarten entstehende Stadtsprache“. Da die Hauptstadt einem ständigen Wandel unterlegen ist, verändert sich auch der Berliner Jargon nahezu täglich. Doch das Netz hilft dem Interessierten, das ursprüngliche, „echte“ Berlinerisch aufzufinden. Wer linguistische Neigungen in sich trägt und auch sprachgeschichtlich informiert sein möchte, findet bei Wikipedia umfangreiche Angaben. Und wenn man sich nach einem spannenden Exkurs zurücklehnt und die Eigenarten dieses mit gewöhnungsbedürftigen grammatikalischen Spitzfindigkeiten ausgestatteten sprachlichen Abenteuers in sich nachhallen lässt, liest sich Rotkäppchen auf Berlinerisch richtig jut: Es war mal ‘ne kleene, süße Joere, die imma mit ‘ne rote Kappe rumlief. Wejen diese Kappe nannte se och jeda Rotkäppchen,… . Knorke, oder?

Christine Wolter | staatl. geprüfte Übersetzerin und Dolmetscherin | Korrektorat & Texte

Written by editor