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Einfach ist oft schwierig

Einfach ist oft schwierig

Übersetzungen in die leichte Sprache

Über das Vorhaben der deutschen Behörden, offizielle Schreiben, Internetseiten und andere Schriftstücke und Formulare in die leichte Sprache zu übersetzen, wurde hier bereits diskutiert. Doch leichte Sprache ist eine komplizierte Sache. Das haben die Mitglieder der zuständigen Ausschüsse und Arbeitsgruppen in den letzten Monaten gelernt. Denn es genügt nicht, sich möglichst einfach auszudrücken und komplizierte Nebensatzkonstrukte zu vermeiden. Auch hier sind Fachleute gefragt – Übersetzer – die sich mit den offiziellen Regeln auskennen. Und das kostet Geld. Leichte Sprache soll es Menschen mit Lernschwierigkeiten oder auch Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, einfacher machen, Textinhalte zu verstehen. Vor allem am Behördendeutsch der meisten Antragsformulare verzweifeln viele von ihnen.

Leichte Sprache, so argumentieren zum Beispiel die Grünen, sei ein wichtiger Bestandteil zur Teilhabe am Leben. In der Durchführung des Vorhabens sehen sich Ausschüsse und Gremien jedoch vor diversen Hürden. Zum Beispiel ist die Übersetzung der Homepage der Regierung von Oberbayern wirklich geglückt, das Projekt hat allerdings auch zwei Jahre in Anspruch genommen – und entsprechend hohe Kosten generiert. Anträge und Broschüren müssen von speziell geschulten Übersetzungsbüros in leichte Sprache übertragen werden, um anschließend von einem Gremium gegengelesen und genehmigt zu werden. Nur so können die Texte das offizielle Siegel „Leichte Sprache“ erhalten.

Die Wege eines zu übersetzenden Textes sind also lang und beschwerlich, die Zuständigen bekommen langsam graue Haare. Und die verkrampften Strukturen der Behördenapparate sind bei der Realisierung dieser Projekte sicherlich nicht hilfreich. Das Einfache ist oft so kompliziert. Und die sprachlich gewünschte Leichtigkeit droht in der Schwere zu versinken. Doch erste Versuche zeigen, dass viele Menschen von den Übersetzungen profitieren. Und selbst der eine oder andere Politiker outet sich öffentlich und erklärt, trotz Germanistik-Studium bei manchem Anträgen nicht zu wissen, was man eigentlich von ihnen will. Hoffen wir also auf professionelle Übersetzungen, deren Kosten nicht gescheut werden und vor allem Nachhaltigkeit versprechen.

Christine Wolter | staatl. geprüfte Übersetzerin und Dolmetscherin | Korrektorat & Texte

Written by editor