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Wort des Jahres 2014

Wort des Jahres 2014

Die GfdS (Gesellschaft für deutsche Sprache) wählt jeweils im Dezember das „Wort des Jahres“, – nicht die Häufigkeit im Sprachgebrauch zählt. Es geht um Signifikanz und Popularität.
Rund 2300 Begriffe wurden von der GfdS auf ihre politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Aussagekraft wie auch deren Rolle im öffentlichen Diskurs hin überprüft. 10 Wörter schafften es in die Top Ten. 10 Begriffe, die uns als Meilensteine bei der Zusammenfassung des Jahres 2014 helfen können:

Lichtgrenze, schwarze Null, Götzseidank, Russlandversteher, bahnsinnig, Willkommenskultur, Social Freezing, Terror-Tourismus, Freistoßspray, Generation Kopf unten.

Lichtgrenze ging als klarer Sieger hervor. Das Wort bezieht sich auf die Lichtinstallation zum Anlass der Feierlichkeiten „25 Jahre Mauerfall“ in Berlin. Über 8000 weiße, leuchtende Ballons erinnerten an den Verlauf der Berliner Mauer und die frühere Teilung der Stadt. Die Durchlässigkeit der Installation und das Aufsteigen der Ballons symbolisierten auf beeindruckende Weise die Auflösung der dunklen Demarkationslinie. Die schwarze Null lässt an das denkwürdige Vorhaben der schwarz-roten Koalition um einen ausgeglichenen Haushalt für 2015 denken. Götzseidank bedarf keiner weiteren Erklärung. Der Begriff Russlandversteher greift die öffentliche Debatte auf, die in Deutschland nach der russischen Übernahme der Krim und dem von Russland beeinflussten ukrainischen Bürgerkrieg entstand. Sprachliche Kreativität zeigt sich in dem Wort bahnsinnig, welches sich auf den Streik der deutschen Lokführer bezieht – rechtlich legal, aber nach Meinung einiger Bahnfahrer völlig überzogen. Mehr Willkommenskultur wird in der gegenwärtigen Asyldebatte immer wieder gefordert. Tja, und Social Freezing zeigt, wie Firmen wie Facebook und Apple ihren Mitarbeiterinnen den Kinderwunsch trotz beruflicher Karriere sichern wollen. Mein persönlicher Liebling ist Generation Kopf unten. Hier geht es nicht um den Kopf, der mit Politikverdrossenheit und Zukunftsängsten bestückt ist, sondern um den Kopf, der sich Richtung Smartphone beugt – in allen Lebenslagen, auf allen Wegen und zu jeder Gelegenheit. Schön, wenn ausgesuchte Wörter das vergangene Jahr Revue passieren lassen.

Christine Wolter | staatl. gepr. Übersetzerin | Korrektorat & Texte

Written by editor