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Kommunikation

Kommunikation

Wieviel Knigge muss sein?

Hört man Menschen beim Kommunizieren zu, kann das Gehörte Interesse auslösen, belustigend sein, zum Nachdenken anregen oder aber auch leichte Unstimmigkeiten in den Gehörgängen produzieren. Bei den Unstimmigkeiten beziehe ich mich nicht etwa auf die neue deutsche Sprache, Jugendsprache oder etwa auf das neu erforschte Kiez-Deutsch. Nein, meine Gedanken führen mich heute zu einem ganz simplen, wenig speziellen und eher dem „out of fashion“-Genre zugehörigen Thema: Herr Knigge und die Kommunikation. Oder anders formuliert: Existiert noch eine Art „Etikette“ in der heutigen Kommunikation? Ich werde versuchen, meine gedanklichen Schritte möglichst vorsichtig zu gehen, weiß ich doch, dass Stichwörter wie Etikette, Benehmen oder Höflichkeit in den Strudel von Fehldeutungen geraten können. Über Kommunikationsberatung habe ich bereits geschrieben und es soll hier auch gar nicht um das öffentliche Kommunizieren neuester Ereignisse gehen, auch nicht um Tipps für Bewerbungsgespräche oder psychologische Überzeugungstricks. Es geht um unsere alltägliche Kommunikation. Im Supermarkt, im Restaurant, beim Fahrradhändler, auf facebook oder mit dem Opa. Und beim Stichwort Fahrradhändler bin ich schon mitten im Thema: Bei mir um die Ecke gibt es einen kleinen, aber feinen Fahrradladen. Da ich selbst oft dem Einmaleins der Fahrradreparatur nicht mächtig bin, wäre es für mich äußerst praktisch, mein Fahrrad in 5 Minuten zu diesem Laden zu schieben und es nach erfolgter Reparatur wieder abzuholen. Wenn da nicht dieser sprachlich sehr minimalistisch ausgestattete Fahrradexperte wäre. Begrüßung? Negativ. Womit kann ich Ihnen helfen? Negativ. Wollen Sie sich erst mal umschauen? Negativ. Besonders kritisch ist es, wenn das zu reparierende Fahrrad ursprünglich nicht bei ihm gekauft wurde. Dann zeigt seine nonverbale Kommunikation, was er von dem Fahrrad hält und man nimmt es lieber wieder mit nach Hause. Mag sein, dass ich mich anstelle, aber diese Art der Nicht-Kommunikation führt mich tatsächlich zu einem viel weiter entfernt liegenden Fahrradladen, in dem noch miteinander gesprochen und ein Kunde noch begrüßt wird. Sicher, zuviel des Guten kann auch nerven. Ich denke da nur an eine Kellnerin, die es geschafft hat, dass ich auf die besten Spaghetti „in town“ verzichten muss, nur, weil sie mich mit ihrer kommunikativen Art jedes Mal zur Weißglut gebracht hat. Da wäre so ein Kommunikations-Führerschein auch nicht schlecht. Ich persönlich finde es schon positiv, wenn Eltern ihre Kinder dazu motivieren, Menschen zu begrüßen, Danke zu sagen oder nicht dazwischen zu reden. Altmodisch? Mag sein. Aber unentbehrlich.

Christine Wolter | staatl. gepr. Übersetzerin | Korrektorat & Texte

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