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Schule und Flüchtlinge

Schule und Flüchtlinge

 

Ein paar Zahlen zwischen den Buchstaben

Es wird Zeit, nach dem Rausch der Feiertage wieder die Reise zur Realität anzutreten. Und wer oder was kann die Realität besser ausdrücken als Zahlen? Zahlen, die meine bereits mitgeteilten Gedanken zu den sprachlichen Förderprogrammen für Flüchtlingsfamilien weiter verdeutlichen: Eine Schule in Grafenau. Wöchentlich strömen immer mehr Flüchtlingskinder in die Klassen. Der Sprachunterricht für Flüchtlinge beschränkt sich auf drei Förderstunden pro Woche, was natürlich nicht ausreicht, um die Kinder sprachlich so fit zu machen, dass sie am Unterricht teilnehmen können. Erreicht die Lehrkraft eine Dialog-Situation, die dazu führen könnte, dass ein Wort vom Schüler ausgesprochen wird, fordern andere Kinder die Aufmerksamkeit der Lehrerin ein. Eine Lehrkraft steht oft mehr als 30 Kindern gegenüber. Es gibt keine speziellen Klassen für Kinder ohne Deutschkenntnisse. Alleine in diesem Jahr werden es mehr als 60.000 Kinder und Jugendliche sein, die aus ihren Heimatländern nach Deutschland geflüchtet sind. Die UNO-Kinderrechtskonvention legt fest, dass die Flüchtlingskinder dasselbe Recht auf Bildung haben wie der deutsche Nachwuchs. Spätestens drei Monate, nachdem ein Asylantrag gestellt wurde, sollen die Kinder Zugang zum Bildungssystem bekommen. Die EU verpflichtet die Staaten dazu, Sprachkurse anzubieten, um die „Teilnahme am Bildungssystem“ zu erleichtern. Doch was sich in den Schulen abspielt, ist ein Drama. Und die überforderten Lehrer schlagen Alarm: Es fehlt an Lehrerstellen, Sozialpädagogen und Dolmetschern. Da helfen auch die spürbar vorhandene Motivation und der Ehrgeiz der Flüchtlingskinder nicht. Hinzu kommen unverarbeitete Traumata und kulturelle Unterschiede, die den Unterricht zusätzlich erschweren. Teilweise befinden sich fünf verschiedene Sprachen in einem Klassenraum. Und nicht selten laufen Schüler einfach weg. Eine scheinbar unlösbare Situation. In seltenen Fällen haben Jugendliche Glück und rutschen in spezielle Förderprogramme, die Intensivkurse an Volkshochschulen vorsehen, Unterbringung in einem Kinderheim und die Möglichkeit, einem Fußballverein beizutreten. Diese Angebote werden von den Flüchtlingskindern immer genutzt. Die verstehen oft besonders früh, welche Chancen ihnen die Schule bietet. Doch auch Städte mit überdurchschnittlich engagierten Lokalpolitikern stoßen an ihre Grenzen, wenn es um die Betreuung von 400 unbegleiteten Flüchtlingskindern geht. Da kann man nur auf eine sinnvolle Verteilung der Haushaltsgelder hoffen. Frohes neues Jahr.

Christine Wolter | staatl. gepr. Übersetzerin | Korrektorat & Texte

 

 

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