twitterfacebookgooglexinglinkedin

Sprachliche Herausforderungen an Migrationskinder

Sprachliche Herausforderungen an Migrationskinder

Was passiert nach der Kita?

Die sprachlichen Förderprogramme für Kinder mit Migrationshintergrund in Kitas, Vor- und Grundschulen scheinen fest etabliert und finanziell abgesichert. Erzieher und Grundschullehrer erhalten Zusatzausbildungen, „Deutsch als Fremdsprache“ gehört bereits seit Jahrzehnten zu den pädagogisch-didaktischen Angeboten an Hochschulen und Universitäten. Recherchen im Netz ergeben, dass auch die Fachliteratur zu diesem Thema vielseitig ist und stetig wächst. Sämtliche Institutionen, die sich mit Migration und interkulturellen Herausforderungen beschäftigen, stellen Sprache und Kultur an die Spitze ihrer jeweiligen Agenda. Man weiß: Ohne Sprache keine Bildung, keine Bildungskarriere, eventuell nicht einmal eine Ausbildung. Doch wie wird dieses Thema an den weiterführenden Schulen behandelt? Darüber ist im Netz nicht annähernd so viel zu finden wie über sprachliche Förderprogramme in Kitas und Grundschulen. Bedeutet dies, dass unsere Bildungspolitiker davon ausgehen, sprachliche Hilfestellungen würden nach dem 10. Lebensjahr nicht mehr erforderlich sein? Oft hört man das Argument „Der Schüler ist doch in Deutschland aufgewachsen!“ Wo auch immer ein Kind aufwächst – wenn die Muttersprache von den Eltern, der Familie, den engsten Freunden gesprochen wird, bleibt sie immer die Sprache, mit der sich das Kind identifiziert, in der es denkt, fühlt und träumt. Und alle anderen Sprachen bleiben letztendlich Fremdsprachen. Vielleicht müssen Gymnasien und Stadtteilschulen noch stärker an diesen Umstand denken? Auch die kulturellen Einflüsse zu Hause werden die sprachliche Umsetzung alltäglicher Begebenheiten für Kinder mit Migrationshintergrund immer erschweren. Das geht deutschen Kindern im Ausland nicht anders, wie ich bereits an anderer Stelle beschrieben habe. In Spanien geboren, lernen die Kinder zunächst ihre Muttersprache Deutsch. Und obwohl das Spanische früh Einzug nimmt in den sprachlichen Alltag der Kinder, bleibt es fehlerhaft, insbesondere im schriftlichen Bereich. Da bleibt doch am Ende wieder einmal die Frage, ob Schule in Deutschland eventuell auf den einen oder anderen naturwissenschaftlichen Superkurs verzichten könnte (heute ja bekanntlich immer in Kooperation mit einer Universität – damit auch 8-jährige schon mal Hochschulluft schnuppern können), um Raum für sprachliche Fitnessprogramme zu schaffen. Denn auch die Mathematik benötigt letztendlich Sprache.  

Christine Wolter | staatl. gepr. Übersetzerin | Korrektorat & Texte

Written by editor